Montag, 25. März 2019

Eisenbahnfonds Geldanlage mit Zugkraft

Land, Wasser, Luft: Der Gütertransport in Deutschland
DPA

Nach Immobilien, Schiffen und Windrädern sollen Anleger auch in Lokomotiven und Eisenbahnwaggons investieren. Der Markt verspricht Wachstum mit geringem Risiko. Doch bereits laufende Fonds zeigen: Auch dieses Geschäft hat seine Tücken.

Hamburg - "Wussten Sie, dass der westeuropäische Schienengüterverkehrsmarkt bis zum Jahr 2020 durchschnittlich um 3,6 Prozent pro Jahr wachsen wird?" Die Frage stellt die Hamburger Firma Steiner & Company ihren Anlegern. Sie steht im Verkaufsprospekt des geschlossenen Fonds "Train Perfomer", den das Emissionshaus im Angebot hat. Über ihn können Privatleute ihr Geld in "Eisenbahninvestitionsgüter aller Art" stecken, wie es im Prospekt heißt. Sprich: in Lokomotiven, Triebfahrzeuge, Güterwagen.

Zum Thema "Eisenbahn" hat sich am Markt für Kapitalanlagen inzwischen eine kleine Nische gebildet. Eine Handvoll Fonds lockt bereits wie der "Train Performer" zum Investment in Loks und Co. Hinzu kommt ein Angebot zum Direktkauf von Güterwaggons (siehe Tabelle unten).

Die Argumente der Anlagehäuser für den Einstieg in diese Branche klingen in der Frage von Steiner & Company bereits an: Es handele sich um einen Milliardenmarkt mit in den vergangenen Jahren zumeist vergleichsweise stabilem Wachstum. Turbulenzen wie zuletzt in der Schifffahrt habe es im Schienenverkehr kaum gegeben, heißt es. Im Gegenteil: Immer mehr Transportvolumen werde auf die Gleise verlagert, die im Vergleich zu anderen Wegen oft sowohl ökonomisch als auch ökologisch effizienter seien.

Experte: "Der Markt ist stabil, Erlöse gut planbar"

Tatsächlich stieg das Transportaufkommen im Güterverkehr per Schiene nach Zahlen des Bundesverkehrsministeriums in Deutschland von knapp 310 Millionen Tonnen im Jahr 2000 auf mehr als 370 Millionen Tonnen im Jahr 2008. Danach gab es aufgrund der Wirtschaftskrise zwar einen herben Einbruch. Inzwischen wurde das alte Niveau aber in etwa wieder erreicht.

Ähnlich das Bild im Personenverkehr: Das Statistische Bundesamt verzeichnet seit 2004 nahezu jährlich steigende Fahrgastzahlen, sowohl im Nah- wie auch im Fernverkehr.

Hinzu kommt: Die privaten Wettbewerber der Deutschen Bahn, die für die Fonds zumeist als Geschäftspartner in Frage kommen, steigern ihren Marktanteil in diesem prosperierenden Geschäft laufend. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Bahn etwa lag der Marktanteil privater Bahnen 2008 noch bei 24,5 Prozent. Inzwischen ist er auf mehr als 31 Prozent angewachsen.

Experten zufolge können Investitionen in das Eisenbahngeschäft vor dem Hintergrund durchaus attraktiv sein. "Der Markt ist relativ stabil, Erlöse und Erträge sind vergleichsweise gut planbar", sagt etwa Steffen Möller, Chefanalyst bei der Ratingagentur Scope in Berlin. "Ein Vorteil ist zudem, dass Lokomotiven als Investitionsgüter mit einer Lebensdauer von 50 bis 60 Jahren sehr wertstabil sind. Das ermöglicht relativ hohe Resterlöse beim Verkauf."

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