Freitag, 20. Juli 2018

Geldanlage Warum Nestlé für Anleger (trotzdem) interessant ist

Nestlé setzt zusehends auf margenstärkeres Geschäft, der milliardenschwerer Deal mit dem US-Kaffeeröster Starbucks weist in die richtige Richtung

Der neue Nestlé-Chef Mark Schneider baut den Lebensmittelriesen um und aus. Er senkt Kosten und setzt zusehends auf margenstärkeres Geschäft. Das muss er auch, denn Nestlé hat in den vergangenen fünf Jahren seinen Gewinn pro Aktie nicht steigern können. Zugleich ist das Kursgewinnverhältnis der Aktie vergleichsweise hoch. Interessant ist die Aktie trotzdem. 

Etwas über ein Jahr nach dem Amtsantritt des neuen Nestlé-Chefs Schneider wird die strategische Weichenstellung des Konzerns klarer. Nestlé kündigt an, weltweit die Rechte für die Vermarktung der Konsum- und Gastronomieprodukte der Kaffeemarke Starbucks zu übernehmen. Dies ist ein zusätzlicher Umsatz von ungefähr zwei Milliarden Dollar in einem sehr lukrativen Geschäft, dem Verkauf von Kaffeekapseln und Kaffeepulver unter dem Namen Starbucks.

Zur Person
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    Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwal-tungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.

Das Kaffeegeschäft mit dem Namen Nescafé, Nespresso und dolce Gusto ist bisher schon ein Hauptumsatzträger und ein besonders großer Ertragsbringer aufgrund der guten Margen. Nestlé ist im Kaffeegeschäft die Nummer eins auf der Welt. In den USA allerdings, die der wichtigste Kaffeemarkt der Welt sind, war Nestlé lediglich die Nummer 5. Nespresso und Nescafé haben in USA zusammen knapp 5 Prozent Marktanteil. Mit dem Kauf des Geschäfts von Starbucks soll sich die Marktstellung von Nestlé wesentlich verbessern.

Nestlé setzt fast 100 Milliarden Schweizer Franken um, und je größer ein Konzern ist, umso schwieriger wird es, neue Geschäfte zu entwickeln, die die Tachonadel nennenswert bewegen. Der Kauf des Starbucks-Geschäfts kommt jedoch sehr in die Nähe einer kräftigen Bewegung vor allem der Ertragsnadel. Dabei kombiniert sich die Stärke des Vertriebs von Nestlé und der sehr hoch positionierten Marke Starbucks.


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Schwerpunkt der Strategie von Nestlé sind in Zukunft neben Kaffee auch die Wachstumssparten Wasser, Säuglingsnahrung und Tierprodukte. Tierprodukte sind deshalb besonders interessant, weil es ein oligopolistischer Markt ist mit sehr wenige Regulierung, anders als bei Lebensmitteln für Menschen. Immerhin hat das Geschäft mit Babynahrung und Hautpflegeprodukten ungefähr 2 Milliarden Franken Umsatz, also nur etwas über 2 Prozent des Konzernumsatzes. Der Umsatz der Gesundheitsprodukte wächst jedoch doppelt so schnell wie der für herkömmliche Nahrungsmittel.

Seit dem Amtsantritt des neuen Chefs Schneider vor etwas über einem Jahr waren die Anleger skeptisch, ob die angekündigten Maßnahmen das große Unternehmen dauerhaft zu mehr Wachstum bringen können. Die Reaktion auf den Starbucks-Deal war auch eher mau.

Das Umdirigieren eines so großen Tankers wie Nestlé, weg von margenarmen Massenprodukten hin zu margenstarken Qualitätsprodukten braucht jedoch Zeit. Im ersten Quartal 2018 hat Nestlé noch nicht das selbst gesteckte Ziel von 4 bis 6 Prozent organischem Wachstum erreicht. Ab Ende dieses Jahres allerdings dürften sich die positiven Effekte der bisherigen Transaktionen in den Zahlen niederschlagen. Es ist auch mit der Ankündigung weiterer strategischer Maßnahmen zur Ertragsverbesserung zu rechnen.


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Nestlé hat in den letzten fünf Jahren seinen Gewinn pro Aktie nicht steigern können. Dem gegenüber ist das Kursgewinnverhältnis (KGV) von 20 für den erwarteten Gewinn des Jahres 2018 recht hoch. Eine Wachstumsbeschleunigung ist möglich und damit deutlich höhere Kurse, vielleicht auch eine Ausweitung des KGV.

Das eigentlich Interessante an Nestlé ist die Dividende: Nestlé hat die Dividende in den vergangenen 11 Jahren seit vor der Krise 2008 um 125 Prozent gesteigert. Die Aktie hat derzeit eine Dividendenrendite von 3,2 Prozent. Weitere Gewinnzunahme dürfte noch kräftige Dividendensteigerungen in den nächsten Jahren zur Folge haben.

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