Dienstag, 12. Dezember 2017

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Der Kunstindex des manager magazins "Die Spekulationsblase ist geplatzt"

Roy Lichtenstein 1964 mit einigen seiner Werke: Die Preise für Gemälde der Pop-Art-Legende brachen 2016 um 28 Prozent ein
Mario De Biasi / Mondadori Portfolio via Getty Images; © Estate of Roy Lichtensten / VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Roy Lichtenstein 1964 mit einigen seiner Werke: Die Preise für Gemälde der Pop-Art-Legende brachen 2016 um 28 Prozent ein

Die Spekulationsblase ist geplatzt. Die Preise für zeitgenössische Kunst sind um mehr als 20 Prozent eingebrochen im vergangenen Jahr. Investoren, Sammler und Galeristen gehen wieder auf Nummer sicher, zeigt der neue mm-Kunstindex.

Die Preise für Nachkriegs- und Gegenwartskunst sind 2016 um 21 Prozent gefallen. Das zeigt der mm-Kunstindex, den der Ökonom Roman Kräussl von der Luxembourg School of Finance exklusiv für das neue manager magazin erstellt hat (Erscheinungstermin: 28. April). "2016 war das Jahre des Kunst-Crashs", sagt Kräussl, der auch an der Stanford University forscht.

Die Auktionsumsätze mit Nachkriegs- und Gegenwartskunst brachen sogar um 29 Prozent ein. Der durchschnittliche Preis pro versteigertem Werk stürzte von 160.000 Dollar auf knapp 108.000 Dollar. Selbst die Werke von Nachkriegsstars wie Francis Bacon, Mark Rothko und Roy Lichtenstein verbilligten sich um mehr als 20 Prozent. Die Preise für andere Kunstmarktsegmente von Impressionisten und Moderne bis zu den Alten Meistern sanken ebenfalls deutlich.

"Die Spekulationsblase ist geplatzt", sagt Kräussl. Von 2009 bis 2015 hatten sich die Preise für Nachkriegskunst mehr als verdoppelt und waren weit über ihren langfristigen Trendwert geklettert. Jetzt liegen sie nur noch leicht über dem kritischen Wert, der eine spekulative Übertreibung anzeigt. 2017 spreche daher vieles für eine leichte Erholung der Preise und Umsätze schon bei den wichtigen New Yorker Auktionen Mitte Mai, so der Experte für alternative Investments.

Ökonom Kräussl hat die weltweit umfangreichsten Preisindizes für den Kunstmarkt entwickelt. Als Grundlage dienen alle öffentlich verfügbaren Daten der mehr als 700 wichtigsten Auktionshäuser, insgesamt über fünf Millionen Verkäufe. Der häufig zitierte Index von Mei Moses erfasst dagegen gerade einmal gut 30.000 Daten.

Das Berechnungsverfahren für den mm-Kunstindex wurde in wissenschaftlichen Zeitschriften wie der "Review of Financial Studies" und dem "Journal of Empirical Finance" veröffentlicht. Andere Kunstmarktreports enthalten kaum Preisangaben und beruhen teils auf nicht überprüfbaren Angaben von Galeristen.

Mehr Wirtschaft aus erster Hand? Der obige Text ist nur ein minimaler Ausschnitt aus der Mai-Ausgabe des manager magazins. Das neue Heft (und die nächste Ausgabe) können Sie hier im Vorteilsangebot bestellen.
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