Montag, 10. Dezember 2018

Kunstauktionen im Millionenfieber "Rekordpreise verschleiern die Realität"

Bieterkampf & Abendkleid: Christie's-Auktion in Bildern
Christies Images

2. Teil: Botticelli oder Börse?

mm.de: Aktienwerte werden minütlich notiert, Kunstwerke nur bei Verkaufsplänen - ist das für die Kunst ein Vor- oder ein Nachteil?

Boll: Ein Werk der Bildenden Kunst ist in aller Regel ein Einzelstück, und daher muss man sich bei der Bewertung mit Surrogatkonkurrenz zufriedengeben - der Wert reflektiert ja letztlich die Zahlungsbereitschaft des Käufers, und die findet man nur im Angebotsfall heraus. Der aktuelle Wert des Werks ist für den Sammler nur am Rande interessant, auch wenn ein Anstieg das sogenannte "sich-reich-rechnen" begünstigt. Die Notierung von Ouevres ist vor allem für professionelle Marktteilnehmer und Investoren relevant. Fraglich ist, wie stark die Anerkennung vom Handelswert als Aspekt der Kunsteigenschaft sich auch umgekehrt auswirkt. Hier könnte man eine Variante des Veblen-Effekts erkennen: Ist ein Werk weniger interessant, oder wird es weniger geliebt, weil sein Wert gesunken ist?

mm.de: Letzte Frage - gibt es einen Erfahrungswert, wie viel Prozent der Besucher einer Auktion auch tatsächlich mitbieten?

Boll: Da gibt es ganz präzise Zahlen, die dem Auktionshaus sagen, wie viele registrierte Bieter auch tatsächlich aktiv wurden. Dies variiert naturgemäß zwischen populären "Entdeckerformaten" wie der Schlossauktion und hochpreisigen Abendauktionen. Aber der Vorteil der Versteigerung ist ja, dass man rein mathematisch gesehen immer nur Zwei braucht: Den Käufer und den Unterbieter. Gewissermaßen bestimmt deren Zahlungsbereitschaft das Ergebnis in höherem Masse als die Zahl der Bieter - auch wenn diese mit ihrer zum Ausdruck gebrachten Nachfrage erst die Atmosphäre schaffen, die dann wiederum höhere Gebote zur Folge haben kann ...

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