Freitag, 14. Dezember 2018

TV-Geschäft Ex-Nestlé-Chef lässt Iris Berben überfallen

Neues Modell: Privatinvestoren finanzieren TV-Serie
REUTERS

2. Teil: Berben wird überfallen, Brandauer ermittelt

Damit sich daran auch künftig nichts ändert, verfolgen Rapold und sein Kompagnon Alex Martin ein spezielles System zur Risikosteuerung sowie zur Verbesserung der Kosteneffizienz bei TV-Produktionen. Bei ihrem Debütprojekt, der ersten, 13-teiligen Staffel der TV-Serie "Capelli Code" rund um die Geiselnahme in den Alpen, kommt es zurzeit zum Einsatz.

Zwei Elemente bilden laut Rapold den Kern dieses Konzepts: die Multicast-Produktion und die komplette "Prävisualisierung" der gesamten Serienherstellung. "Multicast bedeutet, dass eine Fernsehserie mit geringem Aufwand und ohne Qualitätseinbußen für mehrere Länder individualisiert wird", erläutert der ESC-Chef. "Das geschieht, indem die Handlung in Teilen auf die einzelnen Länder zugeschnitten wird und jeweils Länder-eigene Stars zum Einsatz kommen."

Beim "Capelli Code" heißt das: Der Kern des Plots sowie der wichtigste Ort der Handlung - eine Gletscherkirche, in der die Geiselnahme stattfindet - sind in allen Länderversionen identisch. Ausschließlich in der deutschen Fassung jedoch wird eine Bundesministerin aus Berlin in den Alpen überfallen. Im französischen Fernsehen dagegen wird es eine französische sein, im spanischen eine spanische und im italienischen eine italienische.

Hinzu kommt: Für das deutschsprachige Publikum sowie vermutlich mehrere weitere europäische Fassungen der Serie wird Weltstar Klaus Maria Brandauer den Part des Ermittlers Capelli übernehmen. Neben ihm sind auch Schauspielerin Iris Berben als Innenministerin sowie Peter Lohmeyer ("Das Wunder von Bern") und Heike Makatsch im Gespräch - diese drei aber eben nur hierzulande. Für Frankreich, Spanien, Großbritannien oder Italien dagegen werden Darsteller engagiert, die in diesen Ländern populär sind.

Minutiöse Drehplanung

"Wir vermeiden einerseits, alles mehrfach zu drehen, und müssen andererseits nicht Schauspieler synchronisieren, die in vielen Nationen kaum bekannt sein dürften", sagt ESC-Chef Rapold. "Auf diese Weise halten wir die Produktionskosten im Verhältnis zu den erwartbaren Erlösen sehr niedrig."

Und nicht nur so. Noch vor dem ersten Drehtag wird jede der insgesamt geplanten drei Staffeln des "Capelli Code" komplett durchgeplant, inklusive sämtlicher Kameraeinstellungen, Schnitte und ähnlichem. Auch diese minutiöse "Prävisualisierung" trägt laut Rapold dazu bei, die Kosten zu drücken.

Vorteile soll das vor allem für die Geldgeber haben. Zusammen mit vier weiteren vermögenden Finanziers, darunter auch der bekannte Schweizer Architekt und Unternehmer Matthias Eckenstein, hat Nestlé-Verwaltungsratspräsident Brabeck-Letmathe 4,5 Millionen Schweizer Franken (rund 3,7 Millionen Euro) in die erste Staffel des "Capelli Code" gesteckt. Die Besonderheit: Mit ihrem Geld stemmen die fünf Privatinvestoren lediglich die Vorproduktion. Die restlichen 85 Prozent der insgesamt benötigten 30 Millionen Schweizer Franken fließen laut Rapold nach Sicherstellung entsprechender Presales-Verträge und dienen dann einer reinen Zwischenfinanzierung.

Neuer Filmfonds geplant

"So reduziert sich das Risiko der Geldgeber auf 15 Prozent der gesamten Produktionskosten", sagt Rapold. "Auf der anderen Seite erhalten sie bei Erfolg 100 Prozent ihrer Einlage zurück und von allen Erlösen, die die Produktionskosten von 30 Millionen Schweizer Franken übersteigen, weitere 30 Prozent."

Sollte das Konzept aufgehen, können sich Brabeck-Letmathe und seine Co-Produzenten also über erkleckliche Rückflüsse freuen. ESC-Chef Rapold wäre dann zudem einen Schritt weiter auf dem Weg zu seinem längerfristigen Ziel. "Derzeit nehmen wir Einzelinvestoren mit Beteiligungen von 500.000 Euro und mehr auf", sagt er. "Später wollen wir jedoch die Projekte multiplizieren sowie die Höhe der Beteiligungen reduzieren, um damit mehr Anleger ansprechen zu können."

Das Vehikel, mit dem Rapold das erreichen will, dürfte vielen Anlegern hierzulande wiederum bekannt vorkommen: Er will irgendwann in Zukunft einen Filmfonds auflegen.

Fotostrecke: Die Stars des "Capelli"-Projektes im Überblick

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