Freitag, 14. Dezember 2018

Bosch-Erbin über die Tücken der Philanthropie "Gutes tun ist nicht immer einfach"

Bosch-Erbin und eine der angesehensten Stifterinnen Deutschlands: Ise Bosch.
Lucas Wahl / Kollektiv25
Bosch-Erbin und eine der angesehensten Stifterinnen Deutschlands: Ise Bosch.

manager magazin: Frau Bosch, Sie sind eine Erbin der Familie Bosch, der bis heute ein Anteil an dem Industriekonzern gehört, den Ihr Großvater Robert Bosch einst gründete. Warum haben Sie Ihre Anteile 2006 verkauft und engagieren sich seither als Philanthropin?

Ise Bosch: Schon mein verstorbener Vater und seine Schwester waren von der Einstellung meines Großvaters geprägt: "Niemand braucht so viel Geld." Sie lebten mir vor, für die eigene Überzeugung einzustehen und sich wenig um sozialen Status zu kümmern. Nach dem Tod meines Vaters 2004 sah ich die Chance, eine eigene philanthropische Institution zu schaffen und das mir zur Verfügung stehende Kapital für soziale Ziele einzusetzen - als gemeinnütziges Privatkapital.

Jüngere Reiche suchen zunehmend nach Wegen, mit ihrem Vermögen Gutes zu tun. Wächst da eine neue Generation Vermögender heran?

Nun, das Bild erscheint mir nach wie vor widersprüchlich. Es gibt immer noch viele Reiche, die vor allem reich sein wollen. Aber die Wahrnehmung von sozialer Ungerechtigkeit nimmt zu. Hinzu kommen für die Jüngeren Vorbilder wie die Facebook-Gründer Mark Zuckerberg oder Chris Hughes. Beide haben angekündigt, große Teile ihres Vermögens für soziale Zwecke zu investieren.


Lesen Sie dazu auch: Die neuen Philanthropen unter Deutschlands Reichen


Was zeichnet die heranreifenden Philanthropen denn aus?

Jüngere Vermögende wollen oft disruptiver vorgehen. Sie sind stärker von der Globalisierung beeinflusst als ihre Eltern, sie pflegen mehr Kontakte zu diversen sozialen Schichten, und sie haben weniger Berührungsängste. Aber Gutes tun ist nicht immer einfach, auch wenn man viel Geld hat.

Sie haben kürzlich das Buch "Geben mit Vertrauen - Wie Philanthropie transformativ wird" veröffentlicht. Was raten Sie ihnen?

Sie sollten sich erstmal ein Stück weit von ihrer Familie lösen. Also: Suche Dir eigene Beraterinnen und Berater, nimm soziales Engagement als Arbeit ernst und stelle jemanden ein, der Dir den Schriftkram abnimmt. Und dann suche Dir ein Thema, bei dem Du auch mit dem Herzen dabei bist. Es ist ein sehr freies Arbeiten - wenn Du als Geberin oder Geber dein Arbeitsgebiet nicht gut kennst und auch liebst, bist Du schnell emotional überfordert.

Jüngere Vermögende setzen oft auf soziale Unternehmen statt Stiftungen oder Spenden, um gemeinnützige Ziele zu verfolgen. Was halten Sie davon?

Grundsätzlich sind unternehmerische Ansätze sicherlich eine gute Idee. Aber ich warne auch vor übertriebenen Erwartungen.

Warum?

Man sollte sich davor hüten, dem Hype zu verfallen, der heute um Themen wie "Social Impact" manchmal zu herrschen scheint. Wer von Sozialunternehmen große Renditen erwartet, dürfte enttäuscht werden.

Wie sind denn Ihre eigenen Erfahrungen in diesem Bereich?

Bei meinen eigenen Investitionen in soziale Unternehmen strebe ich nicht nach marktkonformen Renditen, sondern ich bin mit 0,5 bis 1,5 Prozent zufrieden, wenn die soziale Rendite stimmt. Wer sich darauf einlässt, und auf einen längeren Zeithorizont, findet spannende Investitionsmöglichkeiten.

Bei welchem Thema sähen Sie gerne mehr Vermögende, die sich engagieren?

Schauen Sie in die USA, wie viele Spenden dort seit dem Wahlsieg von Donald Trump in liberale Organisationen fließen. Wir müssen uns auch hierzulande darauf einstellen, unsere freie Gesellschaft entschlossener zu verteidigen. Wenn ich daran denke, dass die "Alternative für Deutschland" bei den Landtagswahlen 2019 stärkste Partei in Sachsen werden könnte, dann wüsste ich, wo ich mich engagieren würde.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH