Freitag, 15. Dezember 2017

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"Wolf der Wall Street" warnt vor Krypto-Hype Zocker-Ikone nennt ICOs "größten Schwindel aller Zeiten"

Jordan Belfort, gespielt von Leonardo DiCaprio in "The Wolf of Wall Street"
AP/ Paramount Pictures
Jordan Belfort, gespielt von Leonardo DiCaprio in "The Wolf of Wall Street"

Wegen Geldwäsche und Wertpapierbetrugs saß Jordan Belfort einst 22 Monate im Gefängnis. Nun warnt die Zocker-Ikone, die als "Wolf der Wall Street" 2013 dem breiten Kinopublikum bekannt wurde, vor "dem größten Schwindel aller Zeiten": Belfort spricht von "initial coin offerings", also von Schöpfung und Verkauf neuer Kryptowährungen.

Jordan Belfort

In einem Interview mit der "Financial Times" (kostenpflichtig) vergleicht Belfort, der heute als Autor und Motivationsredner arbeitet, den aktuellen ICO-Hype mit den "pump and dump"-Taktiken zweifelhafter Anlage-Buden in den 80er Jahren. Zwar hätten wohl 85 Prozent der ICO-Anbieter durchaus hehre Absichten; "das Problem ist nur, wenn fünf oder zehn Prozent dich abziehen wollen, ist das ein verdammtes Desaster."

ICOs seien, so fasst es der als Betrüger verurteilte Belfort zusammen, "weit schlimmer als alles, was ich jemals gemacht habe."

Ein ICO ähnelt dem IPO ("initial public offering", Börsengang) eines Unternehmens; allerdings werden dabei keine Aktien verkauft, sondern Einheiten eigens dafür kreierter digitaler Währungen. Diese können ebenfalls gehandelt werden und berechtigen den Inhaber je nach Modell etwa zum späteren Kauf eines Produkts des ausgebenden Unternehmens.

Im Kielwasser des Bitcoin-Booms haben auch ICOs 2017 massiv zugenommen: Seit Jahresbeginn sollen sie laut Schätzungen bislang über drei Milliarden Dollar an Kapital eingespielt haben. Befürworter loben, dass ein ICO Unternehmen unabhängiger von Finanzinvestoren mache und weniger Zeit und Aufwand benötige als eine Finanzierungsrunde. Behörden sehen den Trend allerdings kritisch: Chinas Zentralbank hatte die Ausgabe neuer Digitalwährungen im September verboten, britische Aufsichtsbehörden warnten zudem, Investoren sollten sich auf den völligen Wertverlust von Tokens vorbereiten.

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luk

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