Sonntag, 25. Februar 2018

Goldpreis stürzt blitzartig ab Rätselhafter Minuten-Crash am Goldmarkt

"Fat-Finger-Fehler"? Der Goldpreis rutschte plötzlich um 1,5 Prozent ab

So etwas kommt am Finanzmarkt immer mal wieder vor - und jedes Mal bleiben Fragen offen: Werte schlagen blitzartig aus ihrer gewohnten Handelsspanne aus und pendeln sich unmittelbar darauf - jedenfalls meistens - wieder auf gewohntem Niveau ein.

Diesmal traf es den Goldpreis: Der Preis für das Edelmetall verlor am Montagvormittag binnen einer Minute rund 1,5 Prozent an Wert und fiel bis unter 1237 US-Dollar je Feinunze (etwa 31,1 Gramm). Das ist der tiefste Stand seit Mitte Mai. Besonders kurios: Gleichzeitig schoss das Handelsvolumen des Goldes ebenfalls binnen einer Minute auf 1,8 Millionen Feinunzen nach oben. Ein solches Niveau war nicht einmal nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten oder nach dem Votum der Briten für einen Austritt aus derEuropäischen Union erreicht worden. Innerhalb weniger Augenblicke hatte sich die Anzahl der an der New Yorker Rohstoffbörse Comex gehandelten Lose beinahe verzehnfacht, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Einige Händler sprachen von einem "Fat-Finger-Trade", also einem unabsichtlich ausgelösten Preisrutsch durch einen Tippfehler eines Händlers. "Es deutet vieles daraufhin, dass ein Händler eine Order unbeabsichtigt beziehungsweise falsch ausgeführt hat", sagte Rohstoffanalyst Daniel Briesemann von der Commerzbank.

Womöglich habe ein Händler beim Eingeben der Verkaufsorder das Volumen mit der Anzahl verwechselt, sagte ein Börsianer.

Untypisch für Flash-Crash: Über Stunden keine Preiserholung

Da der Handel an den Finanzmärkten inzwischen zum großen Teil durch Computeralgorithmen gesteuert wird und automatisiert erfolgt, kann schon ein relativ kleiner fehlerhafter Handel eine starke Abwärtsspirale auslösen, die auch auf andere Marktsegmente ausstrahlen kann. Experten sprechen in solchen Fällen von einem "Flash-Crash".

Untypisch für einen Flash-Crash ist im aktuellen Fall allerdings, dass es über Stunden nach dem Preisrutsch bis zuletzt keine deutliche Preiserholung gab. Craig Erlam, Experte beim Analysehaus Oanda, verweist denn auch auf eine gestiegene Risikofreude der Anleger, die als sicher geltende Anlagen wie Gold belastet habe. Auch die Preise für andere Edelmetalle wie Silber und Platin gaben deutlich nach.

Zum Zeitpunkt des Preisrutsches beim Gold war das Geschäftsklima des Münchner Ifo-Instituts für Deutschland veröffentlicht worden. Der Indikator hatte entgegen den Erwartungen erneut einen Rekordwert erreicht. Allerdings wäre es sehr untypisch, wenn dies der Auslöser für eine derart starke Marktbewegung gewesen wäre.

cr/rtr/dpa-afx

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