Dienstag, 12. Dezember 2017

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Kapitalmarktunion Brüssel will EU-weiter Altersvorsorge den Weg ebnen

Ein Altersvorsorgeprodukt, dass in allen EU-Staaten funktioniert und in das jeder EU-Bürger einzahlen kann - das ist der Plan der EU-Kommission

Eine Altersvorsorge, die man europaweit mitnehmen und in die man in jedem Land einzahlen kann? Für so ein EU-weites Vorsorgeprodukt will die Europäische Kommission jetzt die Grundlage schaffen.

Bürger sollen künftig in eine europaweit angelegte private Altersvorsorge einzahlen können. Policen und Ansprüche könnte man dann bei Umzügen in der ganzen Europäischen Union mitnehmen. Pläne für ein solches EU-weites Vorsorgeprodukt kündigte die EU-Kommission am Donnerstag an.

Genaueres will sie in einigen Wochen erläutern, wie Vizekommissionspräsident Valdis Dombrovskis sagte. Ziel sei, den Europäern eine zusätzliche Rente zu ermöglichen und Investitionschancen zu schaffen.

Dombrovskis kündigte die Pläne im Rahmen seiner Zwischenbilanz der sogenannten Kapitalmarktunion an. Die Kapitalmarktunion ist ein Kernprojekt der EU-Kommission. Gemeint ist eine engere Verzahnung der Märkte in Europa mit dem Ziel, privates Kapital für Investitionen zu aktivieren, zum Beispiel in Straßen oder Energieprojekte.

Die Kommission hatte 2015 einen Aktionsplan mit 33 Maßnahmen verabschiedet. Davon seien bereits zwei Drittel eingeleitet, erklärte die Behörde. Übergeordnetes Ziel ist, dass Hindernisse für den grenzübergreifenden Kapitalverkehr abgebaut werden.

Handlungsdruck sieht die Kommission wegen des nahenden EU-Austritts Großbritanniens. "Angesichts der Tatsache, dass der größte europäische Finanzplatz die Europäische Union verlassen wird, wollen wir uns noch stärker für die Festigung und Integration der Kapitalmärkte in der EU einsetzen", sagte Dombrovskis.

Auf den bevorstehenden Austritt Großbritanniens will die Kommission mit verschiedenen Maßnahmen reagieren. So will sie unter anderem der Finanzmarktaufsichtsbehörde ESMA mehr Befugnisse geben. Die Vorgaben für Börsengänge von kleinen und mittleren Unternehmen sollen verbessert und ein EU-weiter Rahmen zur Zulassung von Fin-Tech-Unternehmen geprüft werden.

Rei/dpa/Reuters

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