Montag, 10. Dezember 2018

Börsenprofi Markus Zschaber zeigt Das Börsenjahr 2019 bietet Chancen auf Erholung

Das Börsenjahr 2018 neigt sich dem Ende entgegen. Wenn man eine Überschrift für dieses turbulente Jahr wählen müsste, wäre es diese - "Politik auf Kollisionskurs mit der Realwirtschaft und den Finanzmärkten". Im gesamten Jahresverlauf war es der politische Risikofaktor, welcher verantwortlich war, für Schwankungen an den Weltbörsen und Unsicherheiten in der Weltwirtschaft. Seit den Sommermonaten befindet sich die "DAX - Familie" (Deutsche Aktien) in einer regelrechten Flaute und im Spätherbst folgten dann auch die restlichen Weltbörsen diesem negativen Trend.

Gerade der Oktober hatte es in sich - nicht wenige sprechen von einem blutigen Oktober an den globalen Aktienmärkten. Hintergrund war die teilweise irrationale Risikoaversion an den Weltmärkten hinsichtlich der politischen Risiken. Die Zwischenwahlen in den USA, der Handelskrieg zwischen den USA und China, die US-Notenbank, die andeutete, dass die Fed den Leitzins möglicherweise über den sogenannten neutralen Zinssatz anheben könnte. Bei diesem wird die Wirtschaft weder stimuliert noch gebremst. In Europa stehen die Märkte weiterhin unter dem Einfluss der beiden Dauerthemen Brexit und Italiens Haushalt, also wo man hinschaut waren politische Risiken an der Tagesordnung.

Markus Zschaber

Hinzu kam, dass einige Unternehmen in der Berichtssaison die Marktteilnehmer nicht in allen Aspekten überzeugen konnten. Es konnten zwar einerseits durchschnittliche Gewinnsteigerungen in Höhe von 27 Prozent in den USA, etwas über 10 Prozent in Europa und rund 8 Prozent in China quantifiziert werden, was ein wirklich sehr gutes Ergebnis darstellt. Anderseits fokussierten sich die Analysten eher auf die vorsichtigen Ausblicke der Unternehmen aufgrund des Handelsstreits der USA mit dem Rest der Welt und konzentrierten sich sehr stark auf die eher schlechteren Ergebnisse. Dazu gehörten auch vereinzelt enttäuschende Zahlen aus dem Technologiesektor und damit kam die Stimmung an den Weltbörsen ziemlich unter Druck.

Die Lage war und ist aber besser als die Stimmung. Fakt ist, dass trotz dieser Gemengelage aus der globalen Politik und der irrationalen Bewertungsweise der Analysten sich die Weltwirtschaft auf einem komfortablen Niveau befindet. Wir prognostizieren ein Wachstum der Weltwirtschaft in Höhe von 3,5 Prozent im kommenden Jahr, und das wäre ein respektables Ergebnis. Die Ängste vor einer harten Landung der Weltwirtschaft oder gar einer Rezession in der EU, China oder in den USA sind völlig übertrieben und unsinnig. Richtig ist, dass wir in verschiedenen Regionen der Welt und in verschiedenen Sektoren unserer Weltwirtschaft gewisse Dynamikverluste eindeutig festmachen können. Wir sprechen hier von Dellen in Teilen der globalen Konjunkturdynamik, welches aber nicht gleichzusetzen ist mit einer Baisse, geschweige denn mit einem dramatischen Abschwung, der ja hier und da schon heraufbeschworen wird.

Die Wirtschaftsschwäche in Europa, Deutschland und Japan basiert auf temporären Einflüssen wie den Engpässen in der Autoindustrie, niedrigen Wasserständen auf Schifffahrtswegen sowie der Taifunkatastrophe, deren Konsequenzen kurzfristig ausfallen. Auch in den USA sollte der fiskalische Stimulus der US-Administration in 2019 noch anhalten, während China die eigenen Stabilisierungsmaßnahmen sogar substanziell erhöht. Dass die Weltwirtschaft durchaus einen robusten Gesamtzustand verkörpert, verdeutlicht zudem auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber den unzähligen Anfechtungen die im Gesamtjahr 2018 immer wieder auf der Agenda standen und relativ gut abgefedert worden sind, ohne wirklich dramatische Konsequenzen.

Um es nochmals zu betonen, unser Haus erwartet ein Wachstum von 3,5 Prozent im kommenden Jahr bezogen auf die Weltwirtschaft, und daraus ergeben sich positive Skaleneffekte für die Unternehmen mit gesundem und perspektivischem Geschäftsmodell. Hinzu kommt, dass die Weltbevölkerung weiter ansteigt und die Erschließung von weiteren Bevölkerungsgruppen in die Weltwirtschaft dynamisch voranschreitet. Alleine die Seidenstraße bildet ein infrastrukturelles Integral, welches bis zu einer Milliarde Menschen neu an die Weltwirtschaft angliedert. All diese Entwicklungen bedeuten positive Skaleneffekte auf der Nachfrageseite, und die werden in den Bilanzen durch Umsatz- und Gewinnanstiege der Unternehmen wiederum abgebildet.

Chart der Woche | KW49 | Dax

Europa dürfte aus seiner aktuell leichten Schwächephase herauskommen, da der Arbeitsmarkt enger wird und das Lohnwachstum anzieht. Ein robustes Geschäftsvertrauen, verbesserte Gewinnmargen und ein gegenwärtig im Vergleich zum Produktionsniveau noch niedriges Investitionslevel sollten dazu führen, dass die Investitionen steigen und optimale Voraussetzungen für einen weiteren Anstieg des Kreditwachstums schaffen. Wir sehen in der Eurozone noch eine latente Nachfrage nach Kapitalgütern und erwarten, dass die EZB ihre Geldpolitik nicht vor September 2019 strafft. Daher erwarten wir in Europa für den Großteil des kommenden Jahres ein über dem Trend liegendes Wachstum.

Das gesamtwirtschaftliche Weltbild, dass sogenannte "Big-Picture", führt daher zu der Erkenntnis, dass die Stimmung an den Weltbörsen eindeutig zu pessimistisch ist. In den aktuellen Kursen ist bereits eine Rezession eingepreist, die aber weder gemessen an den Ertragslagen der Unternehmen, noch an den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der wichtigsten Staaten und Wirtschaftsräumen eine quantitative oder qualitative Berechtigung erhält.

Abkühlung der Weltwirtschaft bedeutet keineswegs Rezession

Der lange Konjunkturaufschwung neigt sich zwar seinem Ende zu, was aber keineswegs zu einer Rezession führt. Eine gewisse Abkühlung des Wirtschaftswachstums ist sicherlich in den kommenden Jahren zu erwarten, allerdings sollte diese Abschwächung eher graduell verlaufen. Daraus resultiert, dass in diesem Umfeld gerade gesunde Unternehmen mit entsprechender Marktstellung weiterhin solide Skalenerträge erzielen können.

Wir sehen daher das Börsenjahr 2019 durchaus als ein interessantes Aktienjahr an, es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Weltkonjunktur robuste Zuwächse generiert, wenn auch das Tempo in einzelnen Wirtschaftssektoren sich etwas verlangsamen sollte. Es gibt eine ganze Reihe an Unternehmen, die auch in 2019 performen sollten, auch wenn mal das allgemeine Marktumfeld schwieriger sein könnte.

Die richtigen Zielinvestments zu finden wird die Aufgabe für 2019 sein. Qualität in den Geschäftsmodellen mit starker Wettbewerbsposition und hoher Marktdurchdringung in den Absatzmärkten sind hierbei unter anderem Kriterien, die bei der Auswahl zu berücksichtigen sind.

Anleger sollten neben den politischen und geopolitischen Risiken auch auf eine eventuell zu große, globale Liquiditätsverknappung aufgrund zu steil ansteigender Zinsen achten. Diese Tatsache kann selbst kleine Korrekturen an den Aktienmärkten sehr schnell künstlich verstärken.

Die fragwürdige Logik, welche vor allem sogenannte maschinelle Investoren oder auch Hedgefonds verfolgen, ist folgende: Niedrige Schwankungen bedeuten weniger Risiko und rechtfertigen eine höhere Aktienquote - genau hier liegt aber die Problematik. Steigt die Volatilität auch nur durch eine temporäre, normalverlaufende Konsolidierung an den Märkten, müssen besagte Investoren zusätzlich Aktienpositionen abbauen und verstärken damit automatisch den Verkaufstrend und weitern die Korrektur somit technisch aus, vollkommen unabhängig von der fundamentalen Situation der Märkte.

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Grundsätzlich besteht aber eine Vielzahl an fundamentalen Faktoren die in 2019 positive Wertentwicklungen ermöglichen sollten. Die Unternehmensgewinne sollten weltweit im kommenden Jahr um 10 Prozent ansteigen. Bei einem angepeilten Wachstum der Weltwirtschaft von 3,5 Prozent im kommenden Jahr werden ausreichend Skaleneffekte für gesunde und profitable Unternehmen mit solider Marken- und Produktstellung innerhalb ihres Wettbewerbs möglich sein. Fakt ist, dass gerade in politischen Zeiten die Märkte stets anfällig für Kursschwankungen sind. Die so oft beschriebenen "effizienten Märkte" existieren nur phasenweise. Zukünftige Preisschwankungen sollten Anleger zu ihren Gunsten nutzen.

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