Samstag, 19. Januar 2019

Aktien, Eurokurs, Gold, Schwellenländer Was uns 2019 an den Finanzmärkten erwartet

Börse in Frankfurt: 2018 war ein schwaches Börsenjahr - und was folgt 2019?

Die USA werden zum Bremsklotz: In der Vergangenheit hatten die USA die Rolle der globalen Konjunkturlokomotive inne. In diesem Jahr hingegen hat Präsident Trumps "America First"-Politik zwar zu einer höheren Dynamik in den Vereinigten Staaten geführt, aber gleichzeitig die globale Volkswirtschaft geschwächt und zu einem für die Kapitalmärkte schwierigen Umfeld beigetragen. Für 2019 zeichnet sich jedoch eine Trendumkehr ab. Die nachlassenden Effekte der fiskalischen Lockerung, die höheren Zinsen und die eingeführten Strafzölle dürften zu einer deutlichen Wachstumsverlangsamung in den USA führen. Damit kann die Federal Reserve ihre geldpolitische Straffung beenden oder zumindest eine Pause einlegen.

Der US-Dollar dürfte im Jahresverlauf deutlich nachgeben. In Kombination mit den zuletzt stark gefallenen Ölpreisen sowie den makroökonomischen Lockerungsmaßnahmen in China kann sich hingegen das Umfeld für die globale Wirtschaft aufhellen. Insbesondere die Aktiva der Schwellenländer dürften von diesen Entwicklungen profitieren, aber auch Gold könnte einen neuen Aufwärtstrend ausbilden.

Daniel Pfändler
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    Daniel Pfändler ist Portfoliostratege beim unabhängigen Vermögens-verwalter Main Sky Asset Management AG und verfügt über langjährige Erfahrung in der makroökonomischen Analyse und Finanzmarktstrategie.

Die Entwicklungen an den globalen Kapitalmärkten waren in diesem Jahr enttäuschend. Die Aktienmärkte haben seit Jahresanfang zumeist an Wert verloren und insbesondere die asiatischen aber auch die europäischen Indizes notieren deutlich im Minus. Die Anleihemärkte zeigten sich auf Grund der höheren Leitzinsen durch die amerikanische Notenbank ebenfalls mehrheitlich als Verlustbringer, deutsche Bundesanleihen mit ihrer geringfügig positiven Performance stellen eine Ausnahme dar.

Diese Entwicklungen sind auf den ersten Blick überraschend. Die globale Konjunktur war mit einer günstigen Dynamik ins neue Jahr gestartet, US-Präsident Donald Trump hat mit seinem Fiskalprogramm die heimische Wirtschaft zusätzlich befeuert und über niedrigere Unternehmenssteuern das Gewinnwachstum der amerikanischen Unternehmen beflügelt. Jedoch haben sich im Unterschied zu früheren Wirtschaftszyklen die USA nicht als globale Konjunkturlokomotive erwiesen. Im Gegenteil: Die "America First"-Politik hat dazu geführt, dass die Stärke der US-Wirtschaft ein wichtiger Grund für die globale Abschwächung war. So hat die Federal Reserve auf Grund des hohen Wachstums ihre geldpolitische Straffung in Form höherer Leitzinsen und einer Bilanzreduktion fortgeführt.

Doppelter Druck auf die Aktienmärkte

Eine solch restriktivere Geldpolitik ging schon in der Vergangenheit meist mit einem schwierigeren Umfeld für Schwellenländer einher, weil diese oft Schulden in US-Dollar begeben haben. Zusätzlich setzte Präsident Trump vom Frühjahr an seine handelspolitische Agenda um. Diese hat mit der Einführung von Strafzöllen auf Aluminium und Stahl sowie der Erhebung von Importzöllen auf chinesische Produkte zu einer Schwächung des globalen Handels geführt. Zu guter Letzt beflügelte die Aufkündigung des Iran-Abkommens durch Trump die Ölpreise, was schon in der Vergangenheit häufig der Auftakt zu einem schwächeren Wachstum, aber steigenden Inflationsraten war.

Die Aktienmärkte gerieten damit gleich von zwei Seiten unter Druck: Erstens durch eine Reduktion der erwarteten Gewinne, weil das erwartete Wachstum außerhalb der USA geringer ausfiel. Zweitens durch geringere Kurs-Gewinn-Verhältnisse aufgrund höherer Zinsen.

Kurzfristig könnte dieses Umfeld eines stärkeren US-Dollars, höherer Zinsen im Dollarraum und eines schwierigen Umfelds für risikobehaftete Aktiva anhalten. Für das nächste Jahr zeichnet sich allerdings eine Umkehr dieser Trends ab.

Trump dürfte gegenüber China einknicken

So dürfte sich das Wachstum in den USA in den kommenden Quartalen spürbar abkühlen. Einerseits lassen die positiven Effekte der Fiskalpolitik langsam nach, andererseits dürften die wachstumsverlangsamenden Effekte der strafferen Geldpolitik stärker werden. Hinzu kommt, dass die Handelsstreitigkeiten auch für die amerikanischen Unternehmen zusehends zu einem Belastungsfaktor werden. Diese Abschwächung der Wirtschaft dürfte es der Federal Reserve im nächsten Jahr erlauben, ihren geldpolitischen Straffungskurs zu beenden oder zumindest eine Pause einzulegen. Dies wiederum sollte zu einer deutlichen Abschwächung des US-Dollars beitragen.

Darüber hinaus dürfte Präsident Trump im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen 2020 kaum an einer schwachen Wirtschaft gelegen sein - und somit spätestens ab Frühjahr 2019 versuchen, den Handelskonflikt mit China zu entschärfen. Für die globale Volkswirtschaft würde sich in der Folge der Ausblick aufhellen. Ohnehin dürfte der starke Rückgang der Ölpreise seit Anfang Oktober mit einer üblichen Verzögerung von ein paar Monaten das Wachstum bei den wichtigen Ölimporteuren wie China, Japan aber auch der Eurozone unterstützen. Ferner hat China zur Wachstumsstabilisierung die Geldpolitik in den vergangenen Monaten schon moderat gelockert und ergreift auch über die Fiskalpolitik wachstumsunterstützende Maßnahmen.

Schwellenländer vor dem Comeback

Für die globalen Risikomärkte sollte sich damit das Umfeld in 2019 spürbar verbessern. Insbesondere die Märkte der Schwellenländer dürften von einem absehbaren Ende der geldpolitischen Straffung der Fed sowie freundlicherer Exportbedingungen profitieren können. Nach dem starken Abverkauf in diesem Jahr erscheinen entsprechende Aktiva attraktiv gepreist.

In Europa dürften die politischen Entwicklungen entscheidende Impulse liefern: Vorgezogene Neuwahlen können weder in Großbritannien oder Italien, noch in Deutschland ausgeschlossen werden. Auch wenn Italien sein langfristiges Wachstumsproblem kaum lösen wird, erscheint eine neue systemische Krise in der Euro-Zone wenig wahrscheinlich. Aufgrund eines schwächeren US-Dollars dürfte der Euro im direkten Vergleich ungefähr ab Ende des ersten Quartals aufwerten, jedoch gegenüber den Währungen der dynamischer wachsenden Schwellenländer unter Druck geraten. Zu guter Letzt dürften auch die Edelmetalle von diesen Entwicklungen Unterstützung erfahren und Gold dürfte einen neuen Aufwärtstrend ausbilden.

Daniel Pfändler ist Portfoliostratege beim unabhängigen Vermögensverwalter Main Sky Asset Management und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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