Sonntag, 20. Januar 2019

Kunst als Anlage "Die falsche Herangehensweise"

Inzwischen ein Klassiker: Roy Lichtensteins "Schlafendes Mädchen". Für 45 Millionen Dollar wurde es versteigert. Das lässt Anleger träumen

Kunst kann schön sei, ergreifend - aber auch lukrativ? Eine Frage, die selbst Experten unterschiedlich beantworten.

Hamburg - Gegen Anfang 2013 ist es so weit. Warhol für alle! Tatsächlich will sich die Andy-Warhol-Stiftung aus New York offenbar von ihrer gesamten Sammlung trennen, Stück für Stück. Und die Kunstwelt diskutiert, ob das die Preise drückt oder nicht. Optimisten winken ab. Pessimisten dagegen nicken bedeutungsschwanger. Die Diskussion zeigt, wie schwierig es ist, mit Kunst Geld zu verdienen. Eine Diskussion zur Unzeit - denn immer mehr Menschen suchen nach einer Anlage, die Stabilität abseits der Finanzmärkte verspricht. Und meinen sie in der Kunst entdeckt zu haben.

Ermutigende Beispiele gibt es genug. Beispiel Warhol - dessen Monumentalwerk "Three Targets" - immerhin über sechs Meter breit - soll 1,5 Millionen Dollar einspielen. Doch ein Selbstgänger ist ein Kunstinvestment deswegen nicht. "Investieren in Kunst mit Gewinnabsichten funktioniert nicht", sagt zum Beispiel Gerd Harry Lybke, Inhaber der Galerie Eigen + Art. "Der Sammler geht nicht wirklich davon aus, dass er eine Anlage besitzt, die er später mit Gewinn verkaufen kann. Kunst ist und bleibt ein ideeller Wert." Bloß gefühliges Unbehagen des kunstsinnigen Feingeistes vor der Macht des Finanzkapitals - oder eine begründete Einschätzung? Offenbar letzteres.

"Immer mehr springen auf einen Zug auf, bei dem sie gar nicht wissen, wohin die Reise geht", warnte der niederländische Kunstberater Johan Bosch van Rosenthal jüngst im Handelsblatt. Der Experte von der Amsterdamer Art Consult weiter: "Wenn der Zug nicht den Berg hinaufkommt und die Fahrt wieder rückwärts geht, springen diese Leute als Erste ab." Trotzdem lockt die Strahlkraft der Kunst Neulinge an. Banken verstärken ihre Beratertruppen mit Kunstexperten, entsprechend aufgelegte Fonds werden aufgelegt. Kein Wunder. Denn immer fahriger stöbern Investoren nach alternativen Anlagen. Den Hintergrund zeigt der Blick in die Einschätzungen der Finanzmärkte. Mark Burgess beispielsweise ist Investment Officer von Threadneedle und schreibt: "Im Rahmen unserer Asset Allocation halten wir aus taktischen Gründen eine moderate Untergewichtung in Aktien." Und weiter: "Für Staatsanleihen bleiben wir aus Bewertungsgründen zurückhaltend." Ebenso düster skizziert Klaus Mössle die Zukunft. "Öffentliche Schuldenberge in bislang nicht gekannten Dimensionen, bescheidene Wachstumsaussichten und negative Realrenditen selbst von Bundesanleihen mit 10-jähriger Laufzeit lassen institutionelle und private Anleger den Atem anhalten", sagt der Leiter des institutionellen Geschäfts und Geschäftsführer bei Fidelity Worldwide Investment. Mit anderen Worten - Vorsicht ist geboten. Fügt man dann noch ein paar Pinselstriche Inflationsangst hinzu, ist das düstere Bild für die meisten Investoren fertig; eine Alternative muss her.

Doch die ist widerspenstig. Das fängt schon beim Kauf an. Anders als Aktien, wird für Gemälde kein regelmäßiger Preis festgestellt. Im Gegenteil; oftmals verschwindet eines in der Sammlung eines Liebhabers, um dort Jahrzehnte zu verbleiben und erst mit dessen Tod wieder auf den Markt zu kommen. Dazu kommt die Komplexität des Markts. "Die Malerei(…) impliziert heutzutage Altmeistergemälde, Gemälde des 19. Jahrhunderts, Kunst des Impressionismus und der klassischen Moderne sowie die zeitgenössische Kunst", erklärt Selei Serafin vom Auktionshaus Sotheby's. "Die Nachfrage richtet sich nach dem Geschmack der jeweiligen Zeit und des Weiteren nach dem Angebot auf dem Primär- und Sekundärmarkt. Voraussetzung ist, dass jeder potentielle Käufer sich vorher eingehend informiert hat - via Auktionshäuser, Messen, Ausstellungen, Kataloge, Galerien - also sein Auge geschult und sich auf ein spezielles Sammelgebiet konzentriert hat." Das bestätigt auch Stefan Horsthemke, Geschäftsführer Berenberg Art Advice. "Mit Kunst lässt sich Leidenschaft und Investment auf ideale Weise miteinander verbinden. Um das zu erreichen, bedarf es aber nachhaltiger Kenntnisse zu Künstler, Werk und dem doch relativ intransparenten Markt. Für den Privatkäufer im Kunstmarkt sollte es jedoch immer oberste Prämisse sein, nur dass zu kaufen, was einem wirklich gefällt. Aber auch bei diesem häufig genannten Grundsatz, heißt es aufpassen - denn man sieht nur das, was man weiß. "

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