Freitag, 16. November 2018

Nahrungsmittelspekulation Mit Essen spielt man nicht

Vertrocknete Maispflanzen in den USA: Die Dürre treibt die Preise

Die Dürre in den USA lässt die Maispreise in die Höhe schießen - und befeuert damit die Diskussion um die Spekulation mit Nahrungsmitteln. Einige Investoren erklärten bereits ihren Rückzug, andern zaudern noch. Ein Sieg der Ethik?

Hamburg - Der Staub hängt wie ein grauer Schleier über dem Feld. Graue Ähren und Trockenheit, soweit das Auge reicht. Das war nicht immer so. In den vergangenen Jahren grünte das Missouri-Valley in Iowa und der Mais spross. Doch nun verdorren die Früchte am Halm. Und nicht nur im Missouri-Valley. Die USA steuern auf eine extrem schwache Ernte zu, die Preise explodieren. Und damit rücken wieder die Finanzinvestoren in den Vordergrund, die daran verdienen wollen.

Die Arithmetik hinter der Preissteigerung ist einfach. Denn das Angebot sinkt - um 17 Prozent soll die landesweite Ernte in diesem Jahr sinken, hat das US-Landwirtschaftsministerium ausgerechnet. Trift so ein sinkendes Angebot auf eine mindestens stagnierende Nachfrage, steigen die Preise. Mais und Weizen kosten knapp 50 Prozent mehr als noch im Juni.

Auch Soja hat sich um ein knappes Drittel verteuert. Ein gefundenes Fressen für Investoren. Denn die können von genau solchen Preisbewegungen profitieren. Sicherlich, indem sie Aktien beteiligter Unternehmen kaufen, zum Beispiel von Düngemittelherstellern wie K+S. Aber vor allem, indem sie direkt in Rohstoffe investieren, genauer, in entsprechende Rohstoffterminkontrakte. Immer öfter werden solche Papiere genutzt.

Beispiel Mais. Im Juli diesen Jahres wurden ein Drittel mehr der entsprechenden Futures gehandelt als noch vor einem Jahr, vermeldet die CME Group, zu der auch die Rohstoffbörse Chicago Board of Trade (CBOT) gehört. Im Fall von Weizen liegt das Plus sogar bei über 40 Prozent.

Kaum jemand, der Futures kauft, will tatsächlich Weizen kaufen

Mit einem Future können Investoren eine bestimmte Menge eines bestimmten Gutes - zum Beispiel 10 Tonnen Mais - zu einem vorab bestimmtem Preis zu einem bestimmten Termin kaufen oder verkaufen. Steigt der Preis zwischen Vertragsabschluss und Fälligkeit, ist das gut für den Käufer. Denn er hat ja einen niedrigeren Preis vereinbart. Und fällt der Preis, freut sich der Verkäufer - er hat ja noch den alten, den höheren Preis erzielt.

Die Wurzeln solcher Geschäfte liegen in der Landwirtschaft. Erwartet ein Weizenbauer zum Beispiel fallende Preise, kann er seine Ernte "auf Termin" verkaufen und sich so gegen fallende Weizenpreise absichern. Doch nicht nur Absicherungsgeschäfte werden mit Futures abgeschlossen.

Immer mehr Investoren drängen auf den Markt. Für sie sind Futures der übliche Zugang zu Rohstoffen. Investorenlegende Jim Rogers wird auch nicht müde zu erklären, warum. Denn so bekommt der Anleger eben nur Rohstoffe und nicht noch das Aktienrisiko, wie es zum Beispiel ein Unternehmen beinhaltet, das in diesem Segment aktiv ist. Futures sind also ein handliches Mittel, um direkt in Rohstoffe zu investieren.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH