Dienstag, 11. Dezember 2018

Crowdinvesting Die Masse macht's

Vorbild Stromberg-Film: Eine Million übers Internet in einer Woche

Eine Million Euro mal eben im Netz einsammeln - was die Macher des Stromberg-Filmes vorgemacht haben, hat sich mittlerweile zum festen Finanzierungsmodell für Startups im Internet entwickelt. Und bald schon könnte die Spielwiese für risikofreudige Investoren noch größer werden.

Hamburg - Dass ein Getriebeschaden sein Leben so verändern würde, hätte Nils Mahler nie gedacht. Doch als mitten in Korsika sein Wagen den Geist aufgab, und er zusammen mit seinem späteren Partner Timo Müller Werkstatt, Ersatzwagen und den Rücktransport in die Heimat organisieren musste - und das auf französisch - war die Geschäftsidee geboren: Die Vermittlung professioneller Dolmetscher sofort und unkompliziert ans Telefon.

Doch bis Müllers Plattform Lingoking an den Start gehen konnte, dauerte es. Zwar verschaffte ein Nachbar, der selbst ein Internetunternehmen aufgezogen hatte, den beiden für ihre Plattform Lingoking erstes Startkapital. Doch eine Unternehmensgründung ist teuer. Deshalb besorgten sich die beiden über die Crowdinvesting-Plattform Seedmatch im Februar weitere 100.000 Euro - von insgesamt 142 Investoren.

Dass auch Kleinvieh Mist macht, ist keine Entdeckung des Internetzeitalters. Schon Mozart und Beethoven baten für ihre Kunst Interessenten oft schon im Vorfeld zur Kasse. Und auch die Freiheitsstatue in New York wurde über Spenden der Bevölkerung finanziert.

Dank des Internets erlebt diese Form der Finanzierung nun wieder eine Blüte. Beim sogenannten Crowdfunding sind es dabei vor allem soziale oder künstlerische Projekte, die im Internet um finanzielle Unterstützung werben - selbst Barack Obama setzte im Wahlkampf auf dieses Finanzierungsinstrument. Mittlerweile nutzen aber auch Unternehmen die "peer-to-business"-Finanzierung, wie es neudeutsch heißt, übers Internet.

So sammelte die Kölner Produktionsfirma Brainpool vor einigen Monaten öffentlichkeitswirksam innerhalb einer Woche eine Million Euro für die geplante Kinovariante der Sitcom Stromberg ein - und warb gleich noch Tausende potenzielle Kinobesucher dazu.

Mehr als nur Goodwill

Die Zahl der Plattformen, die Investitionen vermitteln, ist in den vergangenen Monaten rasant gewachsen - und wächst weiter. Und mit ihr die Summen, die über das Netz eingesammelt wurden. Auf bis zu vier Millionen Euro schätzt Karsten Wenzlaff, der am Institut für Kommunikation in sozialen Medien (Ikosom) über crowdfunding forscht, die Summe, die seit 2010 alleine in Deutschland über das Internet eingesammelt wurde. In den USA ist es ein Vielfaches.

Mit der Zunahme der Schwarmplattformen sind auch die Ansprüche der Investoren gestiegen. Können Investoren bei Plattformen wie Inkubato, Pling, Vision bakery oder Mysherpas, Sellaband oder Gamesplant vor allem auf Ideelles und kleinere Anerkennungen wie eine Nennung im Filmabspann, eine handsignierte DVD oder auf Eintrittskarten hoffen, steht bei den sogenannten Crowdinvesting-Portalen wie Seedmatch oder Innovestment ganz klar die Rendite mit im Vordergrund.

Hier kann sich jeder Nutzer zum Teil schon mit Beträgen ab 250 Euro an Startups beteiligen - und auf gute Renditen hoffen. Angelegt wird in der Regel auf fünf bis sieben Jahre, nach deren Ablauf der Geldgeber dann mit einer mehrmonatigen Vorlaufsfrist seine Beteiligung zu Geld machen kann. Bewertet wird das Unternehmen dann in der Regel anhand einer festgelegten Formel, die sich nach Kennzahlen wie Umsatz oder Ebit richtet.

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