Mittwoch, 15. August 2018

Diamanten Depot oder Dekolleté

Riesendiamant: Rio Tinto entdeckte jüngst einen 12,76-Karat-Diamanten - der größte je in Australien gefundene Diamant.
AFP/ Rio Tinto
Riesendiamant: Rio Tinto entdeckte jüngst einen 12,76-Karat-Diamanten - der größte je in Australien gefundene Diamant.

Diamanten gelten ähnlich wie Gold als wertstabil. Kein Wunder, dass die entsprechenden Anlageangebote zunehmen. Doch ist das eine gute Idee?

Hamburg - Rio Tinto müsste es eigentlich wissen. Das Bergbauunternehmen will sich von seiner Diamantensparte trennen. Hohe Kosten und geringe Produktion haben dem Konzern den Spaß an den glitzernden Steinen verdorben. Auch Konkurrent BHP Billiton will sich von seiner Diamantmine in Australien trennen. Und dennoch umgibt Diamanten ein Glanz, wie ihn ansonsten mit Ausnahme von Gold keine Anlage verbreitet.

Denn kaum ein anderes Investment bündelt so viel Wert auf so geringem Raum. Vorausgesetzt, die Steine erfüllen die Anforderungen, die die vier Cs stellen: "carat", "coulour", "clarity" und "cut" definieren die Qualität eines Diamanten. Gewicht also, Farbe, Reinheit und Schliff. Je größer und klarer der Stein, umso teurer. Ein rentables Geschäft. De Beers, der größte Diamantenförderer der Welt, steigerte seine Profite 2011 im Vergleich zum Vorjahr nochmals. Das Ebitda - Gewinn vor Steuern - des Unternehmens stieg im gleichen Zeitraum um 21 Prozent auf 1,72 Milliarden Dollar. Und auch für die Zukunft ist das Unternehmen optimistisch, wähnt die Nachfrage aus dem Juweliersegment weiter steigend. Vor allem in Asien sind Diamanten und die daraus geschmiedeten Schmuckstücke gefragt.

Edward Sterck, Analyst bei BMO Capital Markets, rechnete daher der "Financial Times Deutschland" vor, dass der durchschnittliche Preis für ungeschliffene Rohdiamanten 2012 um 9 Prozent auf 145 Dollar je Karat steigen werde. Und Brett O'Connor, Schmuckexperte und Direktor beim Auktionshaus Sothebys, sagt auf Nachfrage: "In den vergangenen sieben Jahren - mit der kurzen Ausnahme von 2008 bis 2009 - sind die Preise gestiegen." Ein ideales Umfeld für Anleger? Wenn es denn so einfach wäre.

Anders als bei Aktien, deren Wert minütlich festgestellt wird, sind Diamanten längst nicht so transparent. Das beginnt schon bei der erstmaligen Wertbestimmung. Während im Fall der Aktien die Börse diese Aufgabe fortlaufend übernimmt, treten bei Diamanten externe Sachverständige an deren Platz. Die prüfen die oben erwähnten vier Cs - und legen einen Preis fest. "Historische Preise sind eben nur einer von vielen Indikatoren der künftigen Preise für Diamanten", sagt O'Connor.

Dabei ist die Feststellung des Wertes offenbar so komplex, dass mancher davor zurückschreckt. "Ich habe mir sagen lassen, dass Pfandleiher Diamanten nicht als Sicherheit anerkennen", sagt Friedel Hütz-Adams vom Analysehaus Südwind. Um mit einem guten Verfahren hergestellte künstliche Diamanten von den echten zu unterscheiden, "braucht man eben Spezialgeräte". Und die haben Privatanleger nicht. Entsprechend rät Bernd Schirmer von der DC-Diamascorp, Abstand von "nicht-qualifizierten Fachleuten" zu halten. Im Gegenteil, die Berater sollten "Diamantäre oder börsennotiert sein oder mindestens einer Gilde angehören und langjährige Erfahrung haben".

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