Sonntag, 19. November 2017

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Neue ETF-Generation Die Alleskönner-Fonds

Investmentfonds vs. ETFs: Die zwei Welten des Fondsgeschäfts
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AFP

Börsennotierte Indexfonds sind günstig, flexibel und daher auf dem Vormarsch. Doch in sehr speziellen Anlagebereichen schlagen sich aktiv gemanagte Investmentfonds besser. Die Lösung des Dilemmas könnte der aktiv gemanagte ETF bringen.

Grob gesagt ist die Fondswelt derzeit zweigeteilt. Auf der einen Seite stehen die traditionellen Investmentfonds. Dort verwaltet ein Fondsmanager das Vermögen der Anleger, beobachtet Märkte, analysiert Unternehmen, trifft Anlageentscheidungen - und kassiert in der Regel ein ansehnliches Gehalt. Die Kosten, die Anlegern dieser Fonds in Rechnung gestellt werden, sind daher vergleichsweise hoch. Und nur in wenigen Fällen gelingt es den Managern, diese Kosten durch eine entsprechend überragende Performance zu rechtfertigen.

Nicht zuletzt deshalb erfreut sich die zweite Hälfte der Fondswelt großer Beliebtheit: Die börsennotierten Indexfonds, kurz ETFs (Exchange Traded Funds). Diese Fonds verzichten auf aktives Management. Stattdessen folgt ihre Performance präzise der Vorgabe eines zugrundeliegenden Indexes. Der Vorteil: Diese Fonds sind deutlich kostengünstiger und im Durchschnitt auch erfolgreicher, was die Performance angeht. Sie können ihren Benchmarkindex zwar nicht schlagen, schlechter abschneiden als die Orientierungsmarke können sie aber auch nicht.

Der Siegeszug der ETFs verwundert daher nicht. Die Sache hat allerdings einen Haken: Wer seine Wertpapierinvestments ausschließlich auf ETFs aufbauen will, ist schlecht beraten. Denn das sture Nachbilden von Indizes verspricht zwar in etablierten Märkten wie dem deutschen oder dem US-amerikanischen Handel mit Standardaktien den Erfolg. In exotischeren Regionen, speziellen Branchen sowie bei bestimmten Anlagethemen kann jedoch erfahrungsgemäß die Expertise eines erfahrenen Managers durchaus zusätzliche Renditepunkte bringen. Sprich: Dort ist aktives Management gefragt.

Anleger sollten also nach wie vor beide Seiten der Fondswelt im Blick behalten. Oder sie greifen zu einer dritten Variante: Den aktiv gemanagten ETFs.

Deren Prinzip ist ebenso einfach wie einleuchtend: Sie sollen die Vorteile beider Fondswelten miteinander verbinden. Als ETFs, börsengehandelte Fonds also, sind sie beispielsweise praktisch zu minütlich aktualisierten Preisen handelbar. Auch ihre Portfoliobestände werden laufend veröffentlicht (statt lediglich monats- oder quartalsweise). Zudem kann nicht nur die Fondsgesellschaft Anteile dieser ETFs ausgeben, sondern auch deren Handelspartner, so genannte Authorized Participants (APs).

Auf der anderen Seite verfügen diese Fonds über ein aktives Management. Das trifft individuelle und - mehr oder weniger - kompetente Entscheidungen - und kostet naturgemäß mehr, als das passive Management eines Index-ETF. Die Kosten der gemanagten Variante der börsennotierten Fonds dürften damit irgendwo zwischen jenen traditioneller Investmentfonds und passiver ETFs liegen, sagen Marktteilnehmer.

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