Mittwoch, 15. August 2018

Alternative Geldanlage Suche lupenreinen Ein-Karäter, biete Château Lafite

"Sun-Drop": Der gelbe Diamant mit 110 Karat wurde kürzlich für rund acht Millionen Euro versteigert

Oldtimer, Wein, Diamanten: Das Interesse von Anlegern an Investments mit Sachwertcharme steigt - und mit ihm die Zahl der Marktplätze, auf denen diese gehandelt werden können. Die Finanzaufsicht hat schon ein Auge drauf. 

Hamburg - Pferdewetten bei der Deutschen Börse? Möglicherweise wird das bald Realität. Über ihre US-Tochter ISE will das Unternehmen in den Milliardenmarkt einsteigen, wie diese Woche gemeldet wurde. Die Börsenmanager wittern dabei wohl ein dickes Geschäft - und für die Kunden gäbe es eine weitere Möglichkeit, Geld "anzulegen".

Ohnehin gibt es einen Trend unter Investoren, Geldanlagen immer breiter zu streuen. Latente Inflationsängste lassen Sachwertinvestments attraktiv erscheinen. Und darunter verstehen Anleger längst nicht mehr nur Aktien, Immobilien und Rohstoffe. Auch klassische Automobile, Luxusarmbanduhren oder teure Weine rücken in den Fokus.

Die Devise: Mit der richtigen Auswahl und etwas Glück besteht die Hoffnung auf einen erklecklichen Wertzuwachs. Bleibt der aus, so hat der Käufer zumindest die Freude am Objekt. Und außerdem sinkt das Anlagerisiko im Portfolio wegen der breiteren Diversifikation.

Ähnlich wie die Deutsche Börse Börsen-Chart zeigen beobachten auch andere Akteure diese Entwicklung - und schaffen entsprechende Handelsplätze, auf denen alle möglichen alternativen Investments den Besitzer wechseln. Längst etabliert sind Immobilienplattformen wie Immobilienscout24 oder Immonet. Gleiches gilt für Automärkte wie Autoscout24 oder mobile.de, sowie, auf die begehrten Veteranen spezialisiert, beispielsweise Oldtimer-Markt.de, der Onlineableger des gleichnamigen Printtitels.

Doch es kommen laufend weitere hinzu. Im Rohstoffsektor beispielsweise gründete erst vor wenigen Monaten der Diamantenhändler Ulrich Freiesleben die Plattform "Diamondax", über die Privatleute hierzulande erstmals einzelne Diamanten erwerben und veräußern können.

Diamantenmarkt für Privatleute

Zum Hintergrund: Der Handel von Privatanlegern mit Silber- und Goldmünzen blüht seit langem, auch im Internet. In Foren wie Silber.de oder Gold.de, wo Angebot auf Nachfrage trifft, werden viele Geschäfte angebahnt. Eine der größten Plattformen in diesem Bereich dürfte "Goldseiten.de" des thüringischen Medienunternehmers Frank Hoffmann sein, der auch in München eine jährliche Rohstoff- und Edelmetallmesse veranstaltet. Die "Goldseiten" kamen laut Mediaunterlagen im vergangenen Jahr auf durchschnittlich 4,2 Millionen Page Impressions, also "Klicks", im Monat. "Da werden teilweise Geschäfte im sechssteligen Bereich abgewickelt", sagt ein Beobachter.

Das steigende Interesse an Goldinvestments geht einher mit einer ansehnlichen Preisentwicklung, die das Edelmetall in diesem Jahr bereits hingelegt hat. Und ähnliches gilt für Diamanten. Zeitweilig waren die Preise der Steine seit Jahresbeginn mit bis zu 35 Prozent im Plus, so Händler Freiesleben. Inzwischen gab es eine kleine Korrektur, so dass der Gewinn im laufenden Jahr bei etwa 20 Prozent liegt, sagt der Fachmann.

Wer jedoch privat in Diamanten investieren will, der konnte bislang lediglich die Aktien der Minenfirmen oder mit den Steinen besetzten Schmuck kaufen. Das Geschäft mit den kostbaren Klunkern selbst war Händlern und der Schmuckindustrie vorbehalten. Das hat sich dank "Diamondax" nun geändert.

Nur lupenreine Steine und weiße Farben

Das Prinzip der Plattform: Die Käufer bestellen den oder die gewünschten Steine und Händler Freiesleben besorgt die Ware. Ebenso gibt es eine Rückkaufgarantie zu Marktpreisen. Das Geschäft von privat zu privat soll in einem nächsten Schritt ermöglicht werden.

"Wir hatten bereits einen Gesamtumsatz im siebenstelligen Bereich und sind mit der Geschäftsentwicklung zum Start sehr zufrieden", sagt Freiesleben zu manager magazin Online. "Das Gros der Bestellungen entfällt derzeit auf Ein-Karäter, grundsätzlich ist allerdings in einem Spektrum zwischen 750 Euro und 100.000 Euro alles möglich."

Der Vorteil: Wer über Diamondax kauft, kann sich der Qualität der Ware sicher sein. Experte Freiesleben, Mitglied der World Federation of Diamond Bourses und seit 30 Jahren in dem Geschäft, hat sein Angebot von vornherein auf lupenreine Steine und weiße Farben beschränkt. Zudem gibt es bei ihm ausschließlich Diamanten mit bestem Zertifikat und feinstem Schliff.

Solche Vertrauenswürdigkeit ist in dem Markt keineswegs selbstverständlich. Im Internet und erst recht am Telefon ist bei Diamantenofferten grundsätzlich Vorsicht geboten. Denn es gibt viele schwarze Schafe und das Auge des Laien kann einen falschen Stein vom echten in der Regel kaum unterscheiden.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH