Mittwoch, 12. Dezember 2018

Diamanten Krisenwährung mit Tücken

Diamanten: Der Zauber der Hochkaräter
REUTERS

Diamant ist das härteste Material der Welt - und für einige sind Diamanten auch die härteste Währung: In der Finanzkrise werden deshalb immer mehr Anleger auf die Steine aufmerksam. Aber nicht jeder Diamant ist eine gute Anlage. Das Geschäft an der Diamantenbörse in Antwerpen hat seine eigenen Regeln.

Antwerpen - Unter dem Schild "Lost and Found" prangt die Anzeige: "Gesucht - Diamant, nur kleine Einschlüsse, hochfeines Weiß, 4.01 Karat, guter Schliff." Dann ein Kontakt. Das verlorene Steinchen - es wiegt nicht mal ein Gramm - ist um die 100.000 Dollar wert. Die Anzeige hängt im Schaukasten an der Beurs voor Diamanthandel, einer von vier Diamantenbörsen in Antwerpen.

Kaum zu glauben, aber sein Besitzer hat tatsächlich gute Chancen den Stein wieder zu bekommen. Er hatte ihn vermutlich lose in der Tasche - durchaus üblich - und der Diamant ist irgendwie herausgekullert. Jetzt wartet er auf den Finder. Dass der den Diamanten einfach am Empfang abgeben wird ist ziemlich wahrscheinlich - obwohl der Stein 2011 immer wertvoller geworden ist:

In der Krise suchen Anleger nach sicheren Investitionsmöglichkeiten. Der Goldpreis erreicht seit 2007 immer neue Spitzenwerte - rasselt zwischendurch aber auch mal wieder in den Keller. Die Zahl der Immobiliengeschäfte stieg in Deutschland um mehr als 20 Prozent seit Jahresbeginn. Einige Experten fürchten bereits eine Blase. Und die Schweizer Zentralbank musste intervenieren, weil der Franken stark aufgewertet hatte.

Derzeit interessieren sich viele Anleger für einen Markt, der vorher keinerlei Beachtung fand: Diamanten. Um satte 30 bis 35 Prozent ist deren Wert dieses Jahr gestiegen. Allerdings nur in den Spitzenkategorien.

Ulrich Freiesleben hat also genau den richtigen Moment erwischt um sein Portal für Diamanten-Investments zu eröffnen. Es heißt Diamondax. Das Geschäft sei seit dem Launch Ende August sehr gut angelaufen, erzählt der Diamantenhändler und Schleifer. "Wir haben schon Steine im Wert von mehreren 100.000 Euro verkauft. Und es gibt Anfragen für Investments im siebenstelligen Bereich."

"Carat, Clarity, Colour, Cut"

Aber: Nicht jeder Diamant ist eine gute Investition. So gut die Beschreibung im Aushang auch klingt, perfekt ist der Stein nicht und damit nur schwer verkäuflich. Entscheidend für den Wert eines Diamanten sind vier Kriterien, erklärt Freiesleben. "Das sind die sogenannten vier c - carat, clarity, colour und cut." Nur Steine, die überall Top-Bewertungen haben, werden in exklusive Schmuckstücke eingebaut und nur sie sind auch als Geldanlage geeignet.

Damit bleibt circa ein Prozent aller Diamanten als mögliches Investment übrig. Aber wo soll man die Steine herbekommen? Banken handeln nicht damit und in einer Diamantenbörse hat man nur als zugelassener Händler Zutritt. Für Privatpersonen bleibt die Möglichkeit, bereits in Schmuckstücken verarbeitete Steine beim Juwelier zu kaufen. Hinzu kommen einige Webseiten - meistens aus den USA. In Deutschland betreibt Ulrich Freiesleben das einzige Portal für Diamanten-Investments.

Freiesleben ist Mitglied der World Federation of Diamond Bourses. Seit 30 Jahren ist er im Handel aktiv und hat sich in der Branche Vertrauen erarbeitet. Im Internet und erst recht am Telefon ist allgemein jedoch extreme Vorsicht geboten. Zu oft war der teuere Diamant dann nur eine Fälschung. Und für den Laien ist dieser Unterschied kaum zu erkennen. Gute Fälschungen funkeln auch recht schön. Nur im direkten Vergleich mit einem echten Diamanten sieht man einen Unterschied.

Ulrich Henn von der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft empfiehlt darum, immer eine zweite Meinung einzuholen. "Qualifizierte Auskunft über die Echtheit eines Steines kann ihnen am besten ein Juwelier oder ein Goldschmied geben", sagt er. Die Industrie und Handelskammern haben eine Liste mit möglichen Ansprechpartnern vor Ort.

Auf jeden Fall sollte jedem Diamanten außerdem ein Zertifikat beiliegen. Am besten eines des Gemological Institute of America - kurz GIA. Die haben in der Branche das höchste Ansehen. Das Zertifikat garantiert die Echtheit des Diamanten und gibt Auskunft über seine Qualität. Alle vier c's sind darauf abzulesen. Confidence - also Vertrauen - gilt im Diamantenhandel zwar als das fünfte c, doch Kontrolle ist eben besser.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH