Samstag, 23. Februar 2019

Dax-Geflüster Das "erste U"

Der Dax klettert immer weiter. Die aktuelle Wirtschaftslage spiegelt der Leitindex damit nicht mehr wider - Ökonomen sehen eine aufziehende konjunkturelle Dämmerung. Nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter stehen die Deutschen vor weiteren Krisen.

Der Dax Börsen-Chart zeigen ist etwas in Verruf geraten. Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer macht stur auf Optimismus. Seit Mitte Juli erklimmt es fast jede Woche ein Jahreshoch, Änderungen sind nicht in Sicht. Mittlerweile rangiert der Aktienindex etwa 55 Prozent über seinen März-Ständen - nur Deutschlands Wirtschaft will dem Dax bisher bei Weitem nicht so schnell hinterherstürmen. Und jetzt warnen Volkswirte vor möglichen Börsenrücksetzern.

Geringe Auslastung: Die Kurse steigen, doch die Wirtschaft ist weiterhin schwach
Spätestens im kommenden Jahr falle der Dax womöglich zurück, glauben Volkswirte, wenn die Notenbanker ihre Wirtschaftsstimulierungen voreilig aufgäben. Als fehlgeschlagenes Ostergeschenk, sozusagen.

Allerdings sind auch Wirtschaftsprognosen etwas in Verruf geraten. Zumal die von Volkswirten. Reihenweise lagen sie im vergangenen Jahr um mehrere Prozentpunkte daneben, meist auch noch mit dem falschen Vorzeichen. Als Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, nach einem Prognosestopp rief, klang das deshalb auch durchaus ernst gemeint. So weit ist es nicht gekommen, doch kaum jemand leistet sich noch eine eigene Meinung zur Konjunktur. Fast alle zuckeln im Geleitzug des Konsens.

Mutig tritt dagegen Norbert Walter hervor, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Er offenbarte seine ganz persönliche, vom Konsens deutlich abweichende Sicht auf die Weltwirtschaft in dieser Woche ganz beiläufig, als Randbemerkung in einem Bericht von einer Asien-Reise (unter dem selbstbewussten Titel "Was dem Fahrensmann auffiel"), und Walter zweifelt an dem grassierenden Optimismus: "Derzeit verführt die Abwrackprämie Analysten dazu, von Aufschwung zu sprechen." Das werde wohl von Konjunkturdaten im dritten Quartal gestützt, räumt Walter ein, dies sei aber "nur eine kurze Aufwärtsbewegung auf der Talsohle", glaubt er. Deshalb doziert der Fahrensmann: Wir haben nicht die Rezession hinter uns gelassen, sondern nur "das erste U".

Starker Anstieg: Aktienleitindex Dax legt zu
manager-magazin.de
Starker Anstieg: Aktienleitindex Dax legt zu
Wir erinnern uns: Vor Monaten diskutierten Volkswirte, ob die Rezession eine V-Form (kurzer Absturz und dann schnelle Erholung) annehmen würde, oder wie ein U einen längeren Weg durch ein tiefes Tal beschreiben. Die U-Sicht hat sich inzwischen weithin durchgesetzt.

Doch Walter geht noch weiter: "Die Weltwirtschaft wird einen Zyklus in Form eines 'Triple-U' erleben", das heißt zwei von drei solcher schmerzhaften U-Krisen in direkter Folge stehen erst noch bevor. Nummer zwei werde durch die steigende Arbeitslosigkeit als Folge der gekürzten Produktion ausgelöst, was für "niedrigere Einkommen und schwächere Einzelhandelsumsätze im europäischen Winter" sorge. Und dann komme Nummer drei.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung