Donnerstag, 21. März 2019

Bundestagswahl 2009 Das staatlich geförderte Rentenloch

Ob TV-Duell oder Talkshow: Deutschlands Kanzlerkandidaten haben vor der Wahl viel zu sagen - aber wenig darüber, was die Bundesbürger danach belasten wird. Lesen Sie deshalb im zweiten Teil unserer Wahlserie, wie die staatlich geförderte Altersvorsorge verpufft und Millionen Bundesbürger Probleme im Rentenalter bekommen. Oder noch mehr sparen müssen.

Hamburg - Rund zwölf Millionen Riester-Verträge gibt es in Deutschland. Für sie gab der Staat allein 2008 zwei Milliarden Euro aus. Doch die Folgen der Finanzkrise drohen dieses Gefüge ins Wanken zu bringen. Und der Staat tut nichts, wiewohl die Bedrohung offensichtlich ist.

"Im Moment spielt die Rentendiskussion eine eher untergeordnete Rolle", diagnostiziert Monika Queisser, Leiterin der Abteilung Sozialpolitik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). "Die kurzfristigen Probleme wie Arbeitslosigkeit, Finanzmarktrisiken und die unmittelbaren Wege aus der Krise stehen jetzt im Vordergrund."

Doch genau diese Probleme schlagen auch auf die Altersvorsorge durch. Zum Beispiel die demografische Entwicklung. "In Deutschland beginnt gerade die Zeit, bei der mehr Menschen aufgrund ihres Alters in den Ruhestand gehen als junge neu ins Erwerbsleben nachrücken", sagt Brigitte Miksa, die den Bereich "International Pensions" bei Allianz Global Investors verantwortet. "Die wirtschaftliche Krise verdeckt derzeit die Tatsache, dass wir schon in naher Zukunft einem demografiebedingten Arbeitskräftemangel entgegensehen müssen."

Aber auch die Arbeitslosigkeit ist es, die das System Riester bedroht. Denn ebenso wie die staatliche Rente lebt die Riester-Rente von den stetigen Einzahlungen von Arbeitnehmern. Anders gesagt - wer einen Arbeitsplatz hat, kann riestern und Punkte bei der staatlichen Rente sammeln. Wer seinen Job verliert, kann genau das nicht mehr. Er kann oder will seine Beiträge zur Riester-Versicherung nicht mehr zahlen und wird den Vertrag in der Regel beitragsfrei stellen. Er muss also nichts zahlen, allerdings steigen seine Anwartschaften auch nicht weiter an.

Unter der Entwicklung leiden auch das staatliche Rentensystem und jeder einzelne Empfänger. "Es entsteht automatisch eine Rentenlücke, die er bei einer durchgängigen Erwerbstätigkeit nicht hätte", erklärt Miksa. "Kurzfristig sind solche Lücken durchaus aufzufangen, können sie doch bei einer anziehenden Konjunktur bei dann wieder steigenden Beiträgen ausgeglichen werden. Mittel- oder langfristig sind allerdings andere Maßnahmen zu treffen - höhere staatliche Zuschüsse, höhere Beiträge der übrigen Beitragszahler oder Senkung des Rentenniveaus."

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