Dienstag, 30. August 2016

Immobilien Wenn Banken Märkte austrocknen

Was der breiten Wirtschaft womöglich bald bevorsteht, ist am Immobilienmarkt längst Realität: Die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe hat das Geschäft in Teilen praktisch zum Erliegen gebracht. Immerhin: Die befürchteten Notverkäufe bleiben bislang aus - die Banken geben ihren Kunden noch Zeit.

Hamburg - Ein Marktrückgang um 83 Prozent, das ist happig. Der Investmentmarkt für Gewerbeimmobilien in Hamburg erlebte diesen Erdrutsch innerhalb von nur zwölf Monaten, zwischen dem ersten Halbjahr 2008 und dem ersten Halbjahr 2009. Wechselten rund um die Alster von Januar bis Juni des vergangenen Jahres noch Objekte für 944 Millionen Euro den Besitzer, so waren es nach Angaben des internationalen Immobilienberaters Jones Lang LaSalle (JLL) im laufenden Jahr nur noch 160 Millionen Euro.

Viele Objekte, aber kein Geld: So wie in Hamburg ist der Investmentmarkt für Gewerbeimmobilien in ganz Deutschland massiv eingebrochen
Wie kam es dazu? Die Entwicklung hängt eng mit dem Geschäftsgebaren des Bankensektors in der aktuellen Wirtschaftskrise zusammen. Seit Monaten lähmen die Institute das Immobiliengeschäft, weil sie aus zunehmender Risikoscheu ihre Kreditkonditionen angezogen haben. Ganze Marktsegmente haben die Banken auf diese Weise bereits nahezu trockengelegt, wie Marktteilnehmer berichten.

Betroffen sind vor allem die Segmente der sogenannten Value-Added- sowie der opportunistischen Investments. Bei denen bestehen zwar höhere Renditeaussichten. Sie sind aber auch mit deutlich mehr Unwägbarkeiten verbunden - und werden daher von Kreditinstituten derzeit offenbar kaum noch begleitet.

"Im Value-Added- und Opportunity-Sektor findet derzeit praktisch kein Geschäft statt", sagt Michael Mikulicz, Geschäftsführer beim internationalen Immobilienberater CB Richard Ellis (CBRE). "Zwar stehen einige institutionelle Investoren wie zum Beispiel angelsächsische Fonds mit Milliarden bereit, die sie in diesem Bereich gern anlegen würden. Sie finden aber derzeit niemanden, der eine solche Transaktion auf der Darlehensseite begleiten würde."

Innerhalb weniger Monate haben die Banken damit eine Vollbremsung hingelegt. In den Jahren 2006 und 2007 hatten ausländische Investoren noch Milliardensummen in Deutschland in diesem Sektor investiert. Die Banken hatten sie seinerzeit eng an ihrer Seite.

Und heute? Wo einstmals bis zu 90 Prozent Fremdkapital in einen Deal flossen, liegt die Grenze inzwischen bei maximal 60 Prozent, sagen Marktkenner. Und auch bei diesen Engagements gehen die Banken kaum Risiken ein.

Experte Mikulicz bestätigt: Das Geschehen beschränke sich zurzeit nahezu vollständig auf das Geschäft mit sogenannten Core-Objekten, Immobilien in sehr guten Lagen also, die auf absehbare Zeit vollständig an zuverlässige, bonitätsstarke Firmen vermietet sind.

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