Dienstag, 19. März 2019

Baufinanzierung Mein Geld, mein Haus, mein Zinstief

Des einen Leid, des anderen Freud: Die Finanzmarktturbulenzen und Leitzinssenkungen haben die Hypothekenzinsen auf ein Zwei-Jahres-Tief gedrückt. Immobilienkäufer und Bauherren können sich freuen, müssen aber auch ein paar Feinheiten beachten. Vor allem stellt sich die Frage, wie es mit den Zinsen weitergeht.

Hamburg - Beim Baugeld ist es in den vergangenen Wochen zu einem regelrechten Zinsrutsch gekommen. Immobilienkredite mit fünfjähriger Laufzeit haben sich nach Angaben des Onlinevermittlers Interhyp bis Ende vergangener Woche auf 3,78 Prozent verbilligt. Darlehen mit fünfzehnjähriger Zinsbindung sind für 4,17 Prozent zu haben, für 25 Jahre beträgt der Zins 4,34 Prozent (bei optimalen Rahmenbedingungen).

Günstig wie lange nicht: die Zinsen für Baukredite sind auf ein Zwei-Jahres-Tief gerutscht
Gründe für den Abwärtstrend sind vor allem die Zinspolitik der Notenbanken sowie das anhaltend starke Interesse an sicheren Anlagen, sprich festverzinslichen Papieren. Angesichts des Konjunkturabschwungs haben die Notenbanken schon vor Wochen einen Zinssenkungszyklus begonnen. "Nach dem Einbruch der Rohstoffpreise ist die Inflationsgefahr vorläufig gebannt", sagt Interhyp-Chef Robert Haselsteiner. "Die Zentralbanken haben daher mehr Spielraum für eine lockere Geldpolitik."

Zuletzt hatten mehrere Banken in der vergangenen Wochen ihre Leitzinsen gesenkt. Die Europäische Zentralbank (EZB) nahm ihren Zins um 0,75 Prozentpunkte auf nunmehr 2,5 Prozent zurück, die Bank of England unternahm einen Schritt um einen vollen Prozentpunkt in die gleiche Richtung auf jetzt 2 Prozent. Kurz zuvor hatte bereits die schwedische Reichsbank eine Minderung um sogar 1,75 Prozentpunkte bekannt gegeben.

Auch am Kapitalmarkt können sich die Hypothekenbanken weiterhin gut refinanzieren. Im Verlauf der vergangenen Woche sei es an den Anleihemärkten zu einer regelrechten Kaufpanik gekommen, schreibt Haselsteiner in einem Marktkommentar. "Die Renditen für Staatsanleihen haben in den USA und in Euroland die tiefsten Niveaus seit 50 Jahren erreicht." Ausschlaggebend für die starke Nachfrage der Investoren nach Staatstiteln war nach Angaben des Experten einerseits die Erwartung deutlicher Leitzinssenkungen, andererseits aber auch die nachhaltige Flucht in die beste Kreditqualität. "Die sehen die Investoren in Anleihen der USA und der Bundesrepublik Deutschland", so der Experte.

"Durch den Rückgang der Leitzinsen und der Renditen für öffentliche Anleihen ist auch die Rendite der Pfandbriefe gesunken", erläutert Max Herbst vom Finanzinformationsservice FMH. "Über Pfandbriefe erfolgt immer noch ein Großteil der Refinanzierung."

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