Donnerstag, 25. August 2016

Zwiegespräch "Back to Basics"

4. Teil: "Die Bereinigung kommt"

mm.de: Und nun?

Für die Banken: Eberhard Hofmann ist Generalbevollmächtigter der Berenberg Bank und verantwortet das Private Banking der Bank
manager-magazin.de
Für die Banken: Eberhard Hofmann ist Generalbevollmächtigter der Berenberg Bank und verantwortet das Private Banking der Bank
Hofmann: Wir haben momentan eine Panik, wie bereits festgestellt. Und wir bekommen sicherlich eine Krise. Die hatten wir öfter schon mal. Aber auf lange Sicht werden die Anleger weder vorsichtiger noch schlauer. Grundsätzlich wird sich nichts ändern. Ich glaube aber, dass die Erkenntnis, eine vernünftige Streuung über alle Anlageklassen zu brauchen, sich zunehmend durchsetzt. Bei institutionellen Investoren wie Versicherungen und bei den großen Vermögen ist das schon der Fall.

mm.de: Wo bleiben dann die bei Fondsgesellschaften so beliebten Modethemen wie BRIC?

Hofmann: Modethemen oder interessante Themen sind zum Beispiel Ackerland. Immer mehr Leute müssen immer mehr essen. Aber dieses Thema gab es schon im Mittelalter. Damals hatten die Leute ein Drittel Immobilien, ein Drittel Gold Börsen-Chart zeigen und ein Drittel Cash und waren fertig mit der Streuung. Grundlegend neue Sachen wird es nicht geben, sondern eher die Tendenz "Back to the basics". Wo wird Geld verdient, wo werden Werte geschöpft? Und wo erfolgt das dauerhaft? Das sind die Fragen, die in den kommenden drei Jahren alle bewegen werden.

Rentsch: Die Subprime-Krise trat zum ersten Mal im Sommer 2007 offen zutage, als die beiden Hedgefonds von Bear Stearns wankten. In den eineinhalb Jahren bis heute sind netto mehr als 100 Millionen Menschen dazugekommen, wir haben ein Bevölkerungswachstum von 20.000 Menschen pro Tag netto. Und wir haben in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht einen Liter Wasser gewonnen, nicht einen Liter Öl gewonnen, nicht einen Kubikmeter Luft - Stichwort Kohlendioxid - und nicht einen Quadratkilometer Ackerland. Themen, die vor sechs Monaten noch in aller Munde waren - Klimawandel, Energiepreise, Nahrungsmittelknappheit - diese Themen sind verständlicherweise in den Hintergrund getreten. Aber das sind die lang anhaltenden Themen. Und all die nicht nachvollziehbaren Geschäftsmodelle, die auf hoher Kreditfinanzierung beruhen und in erster Linie ihre Initiatoren reich machen, die werden verschwinden.

mm.de: Bringt die Krise auch eine Bereinigung der Anlagelandschaft mit sich?

Hofmann: Es wird sicherlich Bereinigungen geben, es wird verstärkt auf Qualität geachtet werden.

Rentsch: Wenn man heute überlegt, in welche Klassen man investiert, dann muss man grundsätzlich unterscheiden zwischen solchen Klassen, die im Wert gefallen sind, weil sie selber ein Problem haben und solchen, die gefallen sind, weil die Besitzer ein Problem haben. Erstere würde ich meiden. Staatlich besicherte Anleihen bekommen Sie momentan für etwa 10 Prozent, Pfandbriefe von der Hypo Real Estate Börsen-Chart zeigen für 12 Prozent. Diese Werte sind einfach kollabiert, weil die Besitzer ein Problem hatten. Dazu würde ich auch Werte aus den BRIC-Staaten rechnen. Die sind einfach gut aufgestellt - starke Binnenwirtschaft und eine gesunde Bevölkerungsentwicklung und sind daher sicher gute Investmentziele.

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