Mittwoch, 19. Dezember 2018

Altersvorsorge Die Eier legende Wollmilchsau

Die Assekuranz spricht von der Quadratur des Kreises, der Eier legenden Wollmilchsau - die Alleskönnerin in Sachen Altersvorsorge steht vor Deutschlands Toren. Regierung und Gesetzgeber wollen den "Variable Annuities" den Weg ebnen. Die Garantien dieser neuen Rentenpolicen sollen derivative Finanzinstrumente absichern. Unabhängige Experten schlagen Alarm.

Hamburg - Unserem rudimentären Schulwissen entnehmen wir: Die Eier legende Wollmilchsau gibt es nicht. Die Assekuranz hingegen glaubt, sie gefunden zu haben - diese Alleskönnerin in Sachen Altersvorsorge. Wir dürfen davon ausgehen, dass die Lebensversicherer sie künftig mit Hochdruck durch ihre Vertriebe direkt zum Kunden treiben werden. Denn die anvisierte Klientel ist zahlungskräftig, der Markt gilt als vielversprechend, und die Politik reißt die Tore für diese Anlageinnovation in der Versicherungswirtschaft gerade weit auf.

Neuer Klon aus dem Versicherungslabor: Die Assekuranz glaubt in Sachen Altersvorsorge die Eier legende Wollmilchsau gefunden zu haben. Variable Annuities sind eine neue Form der privaten Rentenversicherung. Die Politik will ihnen in Deutschland flächendeckend den Weg ebnen. Für unabhängige Experten geht damit die "stärkste Deregulierung" der deutschen Lebensversicherung seit 1994 einher. Gerade aus Verbrauchersicht warnen sie vor übereiligen Schritten.
[M] DPA; mm.de
Neuer Klon aus dem Versicherungslabor: Die Assekuranz glaubt in Sachen Altersvorsorge die Eier legende Wollmilchsau gefunden zu haben. Variable Annuities sind eine neue Form der privaten Rentenversicherung. Die Politik will ihnen in Deutschland flächendeckend den Weg ebnen. Für unabhängige Experten geht damit die "stärkste Deregulierung" der deutschen Lebensversicherung seit 1994 einher. Gerade aus Verbrauchersicht warnen sie vor übereiligen Schritten.

Die Rede ist von "Variable Annuities", sogenannten veränderlichen Renten. Wie so oft bei Innovationen im Finanzsektor stammen auch sie aus Amerika, wo diese privaten Rentenversicherungen mittlerweile weitverbreitet sind. In Deutschland sind derlei Produkte bislang eine Rarität, nur wenige vom Ausland aus agierende Versicherer bieten sie seit Mitte dieses Jahres an. Neue Klauseln des Versicherungsaufsichtsrechts (VAG) sollen das ändern, sodass auch deutsche Unternehmen aus dem Inland heraus das Geschäft betreiben können.

Im Rentenalter bis zu 100 Prozent in Aktien investiert

Variable Annuities versuchen die Charakteristika der klassischen und der fondsgebundenen Rentenversicherung stärker zu verknüpfen. Die klassische Version legt das Kundengeld vornehmlich am Anleihemarkt an, bietet eine garantierte Mindestverzinsung plus die Option auf Überschüsse. Bei fondsbasierten Policen investiert der Versicherer den Kundenbeitrag überwiegend in Aktien, jährlich garantierte Zinsen gibt es nicht, allerdings die Chance auf Gewinne und umgekehrt natürlich das Risiko von Verlusten, wenn es an der Börse schlecht läuft.

Variable Annuities sind Rentenversicherungen gegen Einmalbetrag, deren Kapital auch in der Rentenbezugsphase in Aktienfonds investiert ist - und zwar bis zu 100 Prozent. Damit eröffnet sich auch im Ruhestand die Chance, von steigenden Aktienkursen in Form einer höheren Rente zu profitieren. Das neue, höhere Rentenniveau soll dann dauerhaft festgeschrieben werden - und zwar garantiert bis zum Lebensende. Die garantierte Rente kann also nicht fallen, selbst wenn die Fonds in einer Baisse erheblich an Wert verlieren sollten. Das zumindest verspricht die Allianz, die seit Sommer dieses Jahres als einer der wenigen Anbieter mit der "AllianzInvest4Life" über eine irische Tochter auf dem deutschen Markt ist.

Mit Blick auf den demografischen Wandel zielt das Produkt vor allem auf die Generation 55 plus ab. Hier ist auch das beste Geschäft zu machen. Denn mindestens 1,5 Millionen Menschen in Deutschland zwischen 55 und 70 Jahren verfügen über ein freies Kapitalvermögen von mehr als 50.000 Euro, berichten die Allianz-Strategen. Vor allem sie hat der deutsche Marktführer im Visier und will in den kommenden drei Monaten auch den italienischen und französischen Markt betreten.

"Wir versprechen uns von dem Produkt sehr viel", sagt Allianz-Sprecher Eckhard Marten. Die Hoffnung dürfte vor allem auf der rasanten Entwicklung der Variable Annuities in den Vereinigten Staaten beruhen: Zwischen 2005 und 2007 stieg das Beitragsvolumen im Jahresschnitt um 17 Prozent auf umgerechnet 148 Milliarden Euro, in Japan - dem bislang zweiten großen Absatzmarkt - gar um durchschnittlich 60 Prozent.

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