Montag, 19. Februar 2018

Altersvorsorge "Pflicht zur privaten Vorsorge angezeigt"

Ein Großteil der Deutschen ist der Meinung, dass sie zu wenig für ihre private Altersvorsorge tun. Dennoch legen sie immer weniger Geld für den Ruhestand zurück. Die Überzeugungsarbeit stößt offenbar an ihre Grenzen. Die Zeit ist reif für eine staatlich verordnete Zwangsvorsorge, meint die Postbank.

Hamburg - Die Deutschen sind zusehends weniger bereit, privat für das Alter vorzusorgen. Und jene, die es tun, legen weniger Geld für den Ruhestand auf die hohe Kante. Dabei sind immerhin noch vier von zehn Berufstätigen hier zu Lande der Auffassung, finanziell nicht ausreichend für die Zeit nach dem Berufsleben vorzusorgen. Altersvorsorge bleibt offenbar nach wie vor ein Thema, das mit starken inneren Widersprüchen der Menschen verknüpft ist - und einem gehörig Maß an Unkenntnis, wie jetzt die Ergebnisse einer repräsentativen Allensbach-Umfrage im Auftrag der Postbank zeigen.

Staunen im Alter: Die gesetzliche Rente allein wird für einen komfortablen Lebensabend nicht mehr reichen. Das gilt als sicher unter Experten. Doch die Deutschen lassen nach in ihren Anstrengungen zur privaten Altersvorsorge.
Der Studie zufolge haben die Deutschen ihre private Altersvorsorge signifikant zurückgefahren. Legten die Berufstätigen, die privat vorsorgen, im vergangenen Jahr durchschnittlich noch 202 Euro für die Zeit nach dem Job auf die hohe Kante, sind es aktuell 188 Euro. Und die Mehrheit der Deutschen plant nicht, ihre Altersvorsorge auszubauen.

Hat hier womöglich die sich verschärfende Finanzkrise oder die hohe Inflation den Deutschen den Mut zu (mehr) Altersvorsorge genommen? Die Studie lässt das leider offen.

Eine mögliche Erklärung könnte darin liegen, dass das oberste Sparziel der Deutschen nicht mehr die Absicherung ihres späteren Rentendaseins ist, sondern sie ihr Geld mehrheitlich lieber für den Konsum zurücklegen. So hatte erst im Juni dieses Jahres ebenfalls eine repräsentative Umfrage ergeben, dass knapp zwei Drittel der Bundesbürger sparen, um zu konsumieren.

Postbank-Vorstand Michael Meyer hatte am Dienstag eine andere mögliche Erklärung parat: Offenbar habe das Vertrauen der Deutschen, dass der Staat letztlich für seine Bürger sorgen und sie auffangen werde, in der Vergangenheit deutlich zugenommen - etwa im Zuge neuer Meldungen über immer stärker sprudelnde Steuereinnahmen. Damit sei offenbar ein zusätzlicher Vertrauensbonus in die Finanzkraft des Staates geschaffen worden, erklärte Meyer.

Diese Einschätzung ist problematisch. Denn Fakt ist, dass der Durchschnittsbürger in Zukunft von seiner gesetzlichen Rente allein keinen auskömmlichen Lebensabend mehr wird bestreiten können. Und nicht von ungefähr zieht sich der Staat zusehends aus der Alimentierung seiner alternden Bevölkerung zurück, fördert und fordert aber zugleich die jungen Menschen zu mehr privater Vorsorge auf.

Bleibt als mögliche Erklärung die ernüchternde aber nicht neue Einschätzung, dass die Bürger angesichts der Komplexität des Themas Altersvorsorge die Notwendigkeit derselbigen in ihrer Wahrnehmung ausblendeten oder das Thema schlicht verdrängten, wie der Postbank-Manager erklärte.

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