Dienstag, 11. Dezember 2018

Investmentfonds "Es gibt mehr Geld als gute Ideen"

2. Teil: "Man fragt auch nach der Rendite"

mm.de: Das klingt kompliziert.

Lochmüller: Das ist es leider auch. Es ist aber wichtig, dass sich Investoren mit diesen Punkten beschäftigen. Denn so können sie Transparenz gewinnen. Das ist natürlich nicht jedermanns Sache. Daher sind die Volumengrenzen einzelner Anlageformen eine Frage, die man seinem Bankberater stellen sollte. Man fragt ja durchaus auch nach dem Renditeziel, dem Risiko und anderen Punkten.

Ralf Lochmüller: Als Managing Partner bei Lupus Alpha verantwortet Lochmüller die Bereiche Strategy and Planning sowie Research and Development. Er besitzt mehr als 20 Jahre Erfahrung im Asset Management; Stationen seiner Karriere waren Chase in Frankfurt und die Investmentgesellschaft Invesco. 2000 entschied sich Lochmüller für die Selbstständigkeit und gründete mit vier weiteren Partnern Lupus Alpha Asset Management.
mm.de: Können die Fondsgesellschaften nicht auch Auskunft geben?

Lochmüller: Große Fondsgesellschaften sind in Liquiditätsfragen ambivalent: Einerseits streben sie nach einer guten Performance, andererseits wollen sie große Mittelzuflüsse. Daher ist der Anleger auf sich selbst gestellt. Wer beispielsweise in ganz kleine, kaum bekannte Schwellenländer investieren möchte, der sollte sich überlegen, wie der Markt beschaffen ist. Ein reines Vietnam-Investment zum Beispiel macht sich von den Liquiditätsströmen sehr abhängig. Das erfährt man aber nur, wenn man sich Marktkapitalisierungen einmal anschaut. In Vietnam gab es 2004 lediglich 20 Aktien, heute besteht der Markt erst aus 150 Unternehmen - das ist ein extrem volatiles Investment.

mm.de: Was kann ein Fondsmanager tun, um trotz hoher Liquidität überdurchschnittliche Renditen zu erzielen?

Lochmüller: Je größer ein Fonds ist, desto stärker muss ein Manager in liquide Formen wie beispielsweise Standardaktien investieren. Konnte ein Aktienmanager zuvor seine Rendite vielleicht noch durch Investitionen in Nebenwerte verbessern, so entfällt diese Möglichkeit ab einem gewissen Volumen.

Große aktive Fonds mit einem Milliardenvolumen können oft nur noch den Index abbilden, weil sie gar nicht mehr alle Marktchancen nutzen können. Um in Nischen zu investieren, sind sie einfach zu groß. Von diesem Zeitpunkt an werden sie teuer. Für den Anleger gibt es die Rendite des Index, aber geschmälert um die Fondsgebühren. Das kann man mit passiven Investments, die nur den Markt abbilden, günstiger bekommen.

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