Samstag, 30. Juli 2016

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Rürup-Rente "Heesters hätte einen guten Schnitt gemacht"

Der GDV tobt. Der Verband der Versicherer wirft der Zeitschrift "Öko-Test" vor, sie berechne die Renditen zahlreicher Basisrenten falsch. Der Mathematiker Axel Kleinlein widerspricht entschieden und erklärt, warum der Verbraucher "steinalt" werden muss, damit sich so eine Police für ihn lohnt.

mm.de: Herr Kleinlein, Sie haben für die Zeitschrift "Öko-Test" zahlreiche Angebote für Basisrenten unter die Lupe genommen. Erklären Sie doch bitte einmal mit einfachen Worten, wie Sie die Rendite solcher Produkte errechnen.

"Wir haben sauber und zulässig gerechnet": Der Berliner Diplom-Mathematiker Kleinlein hat sich spezialisiert auf die Analyse von Lebens- und Rentenversicherungen. Der ehemalige Aktuar der Allianz Leben arbeitete ebenso für die "Stiftung Warentest" wie für die Ratingagentur Assekurata. Als Inhaber führt er jetzt Math Concepts, ein Büro für Versicherungs- und Finanzmathematik. Der Experte ist auch als Gutachter vor Gericht tätig und prüft Finanzdienstleistungsverträge im Auftrag von Verbrauchern.
Kleinlein: Wir haben zunächst modellhaft unterstellt, dass eine Gruppe von 10.000 Menschen gleichen Alters und gleichen Geschlechts eine Rürup-Rente mit einem bestimmten Tarif abschließt. Wir rechneten dann anhand der Sterbetafeln des Statistischen Bundesamts hoch, wie viele dieser Menschen jährlich versterben und wie viel Kapital sie bis dahin eingezahlt haben, beziehungsweise die Überlebenden in ihren Vertrag weiter investieren. Schließlich ermittelten wir, welche garantierten und welche prognostizierten Rentenleistungen die noch lebenden Personen in den Jahren des Rentenbezugs zu erwarten haben. Auf diese Weise ergeben sich Zahlungsströme. Deren inneren Zins haben wir ausgerechnet. Dieser Zins ist die sogenannte Rentenrendite, also die Rendite, die eine dieser 10.000 Personen durchschnittlich mit ihrem Vertrag erzielt.

mm.de: Im Ergebnis weisen Ihre Rechnungen für die meisten Produkte Renditen aus, die noch nicht einmal die aktuelle Inflationsrate von 3,3 Prozent auffangen würden. Die Rendite auf die garantierte Rente ohne mögliche Überschüsse tendiert bei vielen Policen gar gegen null. Wie erklärt sich dieses schwache Ergebnis?

Kleinlein: Zwei wichtige Faktoren nagen an der Rendite dieser Verträge. Das sind zum einem die Kosten, die Lebensversicherer ihren Kunden in Rechnung stellen. Zum anderen kalkulieren die Anbieter ihre Produkte mit einer sehr hohen Lebenserwartung ihrer Kunden. Diese liegt erheblich höher als jene, die das Statistische Bundesamt selbst unter optimistischen Annahmen und unter Einrechnung des medizinischen Fortschritts prognostiziert.

mm.de: Auffällig ist, in der Ansparphase weisen viele Produkte noch eine ordentliche Rendite zwischen 4 und 5 Prozent aus. In der Rentenphase dagegen bricht sie dramatisch weg. Woran liegt das?

Kleinlein: Die je nach Tarif durchschnittliche Rendite von 4 bis 5 Prozent müssen wir zurechtrücken. Hier handelt es sich um die Verzinsung lediglich des Sparanteils nach Abzug von Kosten, zum Beispiel Abschluss- und Verwaltungskosten eines Vertrags. Diese Kosten sind zum Teil erheblich und führen mitunter dazu, dass nach dem Sparprozess das angesammelte Kapital trotz Garantieverzinsung niedriger ist als die Summe der Beiträge, die der Kunde insgesamt dem Unternehmen überwiesen hat. Dann ergibt sich automatisch eine Negativrendite. Das lässt sich auch im Rentenbezug nicht mehr auffangen.

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