Dienstag, 20. November 2018

"Spacs" Private Equity 2.0

Ein Trend aus den USA erreicht den alten Kontinent: Anleger von Spacs kaufen Aktien von Unternehmen, die es eigentlich noch gar nicht gibt. Unsinn? Keineswegs. Vielmehr geht es um eine neue Form von Private-Equity-Investments. Die Deutsche Bank will das Geschäft auch in Deutschland stark vorantreiben.

Hamburg - Wer hierzulande als Privatmann in Private Equity investieren will, kann dies - sofern er nicht zu jenen besonders vermögenden Anlegern zählt, die über eigene Zugänge zum Markt verfügen - vor allem auf drei Wegen tun: Er kauft Aktien von börsennotierten Beteiligungsgesellschaften wie etwa der Deutschen Beteiligungs AG Börsen-Chart zeigen, zeichnet einen geschlossenen Fonds mit entsprechendem Fokus oder erwirbt ein ebenso ausgerichtetes Zertifikat.

Anruf aus New York: An den US-Börsen wurde mit Spacs ein Trend gesetzt, der jetzt Europa erreicht
Künftig könnte sich zunehmend ein weiteres Vehikel anbieten: die sogenannte Special Purpose Acquisition Company (Spac). Dabei handelt es sich um Unternehmenshüllen, die ohne operative Tätigkeit an die Börse gebracht werden. Ziel ist es, innerhalb von meist zwei Jahren nach dem eigenen IPO ein anderes Unternehmen zu erwerben. Erst nach dieser Akquisition wird die Spac unter dem Namen und mit dem Geschäftsgegenstand des Kaufobjekts operativ tätig.

Spacs dienen anderen Firmen - beispielsweise Familienunternehmen im deutschen Mittelstand - also nicht nur als Eigenkapitallieferanten, sondern auch als Alternative zum herkömmlichen Börsengang, dessen Unwägbarkeiten und Umständlichkeiten zum Großteil umschifft werden können. Auf der anderen Seite bieten sie sich für Anleger als Investmentvehikel an, das zumindest in der Anfangsphase, bis nämlich ein Unternehmen akquiriert wurde, ein vergleichsweise geringes Anlagerisiko aufweist.

Der Grund dafür erschließt sich bei einem Blick auf den Lebenslauf einer typischen Spac: Solange noch keine Akquisition stattgefunden hat, liegt das Geld der Investoren in der Regel in sicheren Anlagen und kann inklusive einer moderaten Verzinsung jederzeit wieder ausgezahlt werden. Nach dem Wandel der Spac in ein aktives Unternehmen unterliegen die Aktien zwar den üblichen Höhen und Tiefen der Märkte. Dem Firmenkauf selbst müssen die Investoren jedoch mit einer Mehrheit von meist 60 bis 80 Prozent zustimmen - und wer sich dagegen entscheidet, hat immer noch die Möglichkeit, im letzten Moment auszusteigen, sprich sich seine Anteile auszahlen zu lassen.

"Für Investoren sind Spacs zunächst nichts anderes als ein risikoarmer Cashpool", bestätigt Mark Pohlmann, Co-Leiter des Investmentbankings in Deutschland bei UBS Börsen-Chart zeigen. "Das ist einer der Gründe, aus denen es in der Vergangenheit vergleichsweise einfach war, große Summen in diese Investmentklasse zu lenken." Pohlmann weiß von "mehreren Banken, die derzeit an Mandaten für den europäischen Markt arbeiten". Er räumt den Spacs, die in den USA in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufschwung erlebt haben, auch auf dem alten Kontinent eine Zukunft ein.

Etwa ein Viertel aller IPOs entfällt in den USA inzwischen auf die auch als "Blankoscheck" bezeichneten Gesellschaften. Zählte die Researchagentur Renaissance Capital im Jahr 2003 lediglich eine solche Emission, so waren es im vergangenen Jahr weit über 60. Insgesamt rund zwölf Milliarden Dollar wurden 2007 in diesem Segment bei Aktionären platziert.

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH