Mittwoch, 12. Dezember 2018

Supermarkt-Policen Alarmierte Aufsicht

3. Teil: Fall Penny beschäftigt das Gericht

Dem Laien und Kunden mag die Diskussion unverständlich und wie ein Spiel von Winkeladvokaten vorkommen. Ihm ist es vermutlich gleich, wo er die beste Versicherungslösung zum günstigsten Preis einkauft. Doch für die Verbraucherschützer und Zehntausende Vermittler auf der einen und die Versicherer auf der anderen Seite hat das Thema erhebliche Bedeutung.

Längst nicht nur Kaffee: Die Asstel (Gothaer-Konzern) vertreibt bis Ende Mai über Tchibo-Filialen eine Kinder-Unfallversicherung. Ist der Verbraucher unzufrieden, kann er die Versicherung innerhalb von 28 Tagen in der Tchibo-Filiale umtauschen - gegen Kaffee zum Beispiel.
Der Bund der Versicherten (BdV) sieht durch solche Verkaufsaktionen die Verbraucherrechte ein ums andere Mal mit "Füßen getreten", wie es die BdV-Vorsitzende Lilo Blunck formulierte - auch deshalb, weil der Kunde im Supermarkt weder informiert noch beraten und über die tatsächliche Qualität des Produkts nicht selten getäuscht werde. Ähnlich argumentierte unlängst der Präsident des Bundesverbands der Versicherungskaufleute. Michael Heinz beklagte sich, dass Versicherer ihre Produkte damit zur "Ramschware" erklärten und ihre Vermittler hintergingen.

Bald dauerhafter Policenvertrieb im Supermarkt?

Die Unternehmen wiederum sehen in diesen neuen Vertriebswegen die Chance, ihre vielfach rückläufigen Erträge aufzubessern und in dem harten Verdrängungswettbewerb zu bestehen. "Die großen Player im Markt sitzen alle auf der Rampe und wollen unbedingt in den Einzelhandel", wie ein Branchenkenner erklärte. Ein Versicherer signalisierte gegenüber manager-magazin.de zudem, dass er sich den Vertrieb von Versicherungspolicen auch dauerhaft in Supermärkten vorstellen könne.

Am Ende werden wohl die Gerichte entscheiden

Es ist gut möglich, dass am Ende Gerichte und nicht die Finanzaufsicht sowie Industrie- und Handelskammern den neuen Vertriebswegen die Schleusen entscheidend öffnen - oder auch schließen. So hat der Arbeitgeberverband der finanzdienstleistenden Wirtschaft (AfW) vor Kurzem die Penny-Mutter Rewe vor dem Landgericht Wiesbaden verklagt. Der zeitlich befristete Verkauf von Kinderschutzpolicen im September 2007 in den Filialen des Discounters verstieß nach Ansicht von AfW-Vorstand Norman Wirth "eindeutig gegen die Vorgaben der Versicherungsvermittler-Richtlinie".

"Der Verkauf von Versicherungen ist ein erlaubnispflichtiges Gewerbe", begründet auch Wirth seinen Vorstoß. Weder die Penny-Mitarbeiter noch der Rewe-Konzern selbst seien im Vermittlerregister eingetragen oder gesondert für die Beratung von Kunden beim Versicherungsverkauf geschult gewesen.

In einer mündlichen Verhandlung am 21. April habe das Gericht allerdings signalisiert, dass es die Klage womöglich abweisen werde. "Sollte es so kommen, gehen wir auf jeden Fall in die nächste Instanz", kündigte Wirth im Gespräch mit manager-magazin.de an. Dann müsste sich das Oberlandesgericht Frankfurt mit dem Fall beschäftigen. Und er könnte zum Präzedenzfall für alle Beteiligten werden. "Gleich wie das nächste Urteil dann ausfällt, es wird massive Auswirkungen auf die Vertriebspraxis der Versicherer und den Einzelhandel haben", sagt der Anwalt voraus.

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