Donnerstag, 15. November 2018

Anlageprozess Homms Scherbengericht

Was als Spekulation auf die Strahlkraft des Investors Florian Homm gestartet ist, endet im Landgericht Frankfurt. Dort laufen die Prozesse um zwei Zertifikate der SEB Bank, die sich an den Hedgefonds Homms orientierten.

Hamburg - Diese dunklen Pforten haben schon alles gesehen. Betrübte Gesichter frisch Geschiedener ebenso wie die roten Köpfe jähzorniger Mieter. Und nun wütende Anleger, die vor dem Landgericht Frankfurt gegen die Bank SEB zu Felde ziehen. Ein kleiner Fall nur - der aber zum Prüfstein der milliardenschweren Zertifikateindustrie werden könnte.

Der Gegner: Die SEB hat die Zertifikate aufgelegt, um die nun vor Gericht gerungen wird
Die Bank SEB legt Zertifikate auf, genau wie andere Banken auch. 2007 waren zwei darunter, die sich an Hegdefonds ausrichteten, die Florian Homm verwaltet - das "Alternative Investment Zertifikat" in zwei Varianten. Sie sollten vom 28. August 2006 bis zum 31. August 2011 laufen. Homm selbst ist vermutlich einer der schillerndsten und bekanntesten Großanleger Deutschlands.

Immerhin beteiligte er sich 2004 an dem Fußballclub Borussia Dortmund. Er wohnt auf Mallorca, der Lieblingsinsel der Deutschen. 2006 wurde er in Venezuela überfallen und angeschossen - angeblich, weil er es ablehnte, sich von seiner wertvollen Uhr zu trennen. Homm war Basketballspieler in der deutschen Jugendnationalmannschaft, sein Großonkel war der Versandhauskönig Josef Neckermann. Geld, Macht und Exotik - eine Geschichte, wie sie der Boulevard liebt. Und damit ein gutes Zugpferd für die SEB.

Doch es kommt alles anders. Denn am 18. September vergangenen Jahres zieht sich Homm aus seiner Firma Absolute Capital Management Holding (ACMH) zurück. Seitdem scheint er verschollen zu sein. Auch bei der SEB zeigt man sich überrascht. "Uns war nicht bekannt, dass Florian Homm Absolute Capital Management verlassen würde. Wir haben davon nicht früher erfahren als andere", sagt Kimmo Best, Sprecher der Bank, gegenüber manager-magazin.de.

Da Homm Chefanleger der Gesellschaft war, wurden etliche Anleger seiner Hedgefonds nervös und wollten ihr Geld abziehen. ACMH konterte damit, Fonds zu schließen. Auch die Aktie des Hedgefondshauses verlor rapide an Wert. Das wiederum sensibilisierte die SEB - sie kündigte die Zertifikate zum 31. Oktober 2007. Statt der in Aussicht gestellten "150 Prozent Rendite seit 2002" in den Händen zu halten, bleiben den Anlegern nur die bunten Prospekte. Geld haben sie bislang nicht bekommen. Soweit der Sachverhalt. Strittig ist allerdings die juristische Wertung.

Bei der SEB verweist man auf eine Marktstörung. Da die Homm-Anhänger begonnen hätten, ihr Geld aus den Hedgefonds abzuziehen, sei die Kündigung, so ein Fragen- und Antwortkatalog, "... der gebotene Weg, die Interessen der Zertifikateinhaber zu wahren und eine Gleichbehandlung aller Zertifikatsinhaber sicherzustellen." Und da ACMH bis auf Weiteres die Berechnung des Nettoinventarwerts ihrer Fonds ausgesetzt habe, könne auch die SEB erst einmal nicht sagen, wie viel die Zertifikate wert sind. Anlegeranwälte wie Markolf Schmidt sehen das etwas anders.

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