Freitag, 14. Dezember 2018

Lebensversicherer Ein Mantel des Schweigens

Wer die Abgeltungsteuer künftig umgehen will, schützt sein Depot am besten mit einem Versicherungsmantel, raten Experten. Die wohlhabende Klientel setzt dabei auf Offerten aus Liechtenstein. Dortige Anbieter versprechen Exklusivität und Diskretion. Über manches fürstliche Privileg legt man aber lieber den Mantel des Schweigens.

Hamburg - Wenn es draußen richtig stürmt, ist ein schützender Mantel gefragt - auch für die Geldanlage. Denn klar ist, ab dem 1. Januar 2009 fegt der eiskalte Wind der Abgeltungsteuer durch die Wertpapierdepots der Kunden und wird ein Viertel der Erträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne regelmäßig dem Fiskus direkt in die Kassen blasen - Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer fallen zusätzlich an. Seit Monaten überschlagen sich Finanzberater landauf, landab in Tipps, die Steuer zu umgehen oder die Steuerlast zu mindern. Ihr Rat: Umschichten in einen schützenden Versicherungsmantel.

Schlecht geschützt: Hoffentlich nicht Ihre Geldanlage - wenn ab 1. Januar 2009 der eiskalte Wind der Abgeltungsteuer durch die Depots pfeift, sollten die Anleger gut vorbereitet sein, sagen Experten. Eine Schutzoption sehen sie in Versicherungslösungen.
Der Rat kommt nicht von ungefähr. Gegenüber der herkömmlichen Aktienanlage hat der Gesetzgeber Versicherungslösungen bei der Abgeltungsteuer bevorzugt. Das beginnt schon in der Ansparphase: Erträge einer Kapitalanlage im Versicherungsmantel bleiben während der Vertragslaufzeit steuerfrei. Der Zinseszinseffekt kann so gegenüber einer herkömmlichen Aktien- oder Fondsanlage seine volle Wirkung entfalten. Der von der Abgeltungsteuer geschützte Ertrag ist damit bei Versicherungslösungen grundsätzlich höher als bei von der Abgeltungsteuer betroffenen Depots. Und: Fondsumschichtungen innerhalb des Versicherungsmantels unterliegen auch ab 2009 nicht der Abgeltungsteuer.

Hält der Versicherte den Vertrag zwölf Jahre durch und lässt sich die Police erst nach Vollendung des 60. Lebensjahres auszahlen, profitiert er erneut: Nur die Hälfte der Erträge wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert. Das heißt, die Erträge werden maximal mit rund 21 Prozent (ohne Soli und Kirchensteuer) belastet. Im Todesfall des Policeninhabers ist die Auszahlung komplett steuerfrei. Bei Verrentung des angesparten Kapitals greift die Ertragsanteilsbesteuerung und damit ein Steuersatz von 18 Prozent.

Kein Wunder also, dass sich die Versicherungswirtschaft die Hände reibt und mit einem starken Anstieg ihres Fondspolicengeschäfts rechnet, wie zuletzt eine Umfrage unter 300 deutschen Versicherungsexperten des Deutschen Ring ergeben hat.

Kritische Branchenkenner mahnen aber unter anderem, bei der Auswahl der Police genau auf die Kosten zu achten. Wenn die Kosten 10 Prozent des Beitrags aufzehren, könnte es mit dem Steuervorteil knapp werden. Einen weiteren Nachteil des Versicherungsmantels sehen Kritiker darin, dass der Kunde mit der Vertragsunterschrift in der Regel nicht mehr über die Anlage seines Geldes bestimmen kann, sondern der Versicherer, dessen Fondsangebot zudem in vielen Fällen stark eingeschränkt ist. Anspruchsvolle Kunden mit dem Wunsch einer halbwegs individuellen Vermögensberatung und -verwaltung wollen mehr.

"Jetzt rennt man uns die Bude ein"

Vermögensverwalter und Private-Banking-Spezialisten wissen das, haben schon vor einigen Jahren begonnen, wohlhabende Kunden für Versicherungslösungen zu gewinnen. Schenkung- oder Erbschaftsteuern zum Beispiel ließen sich so deutlich senken. Und das Interesse steigt, vor allem für Versicherungslösungen aus Liechtenstein, berichten Vermögensverwalter und spezialisierte Versicherungsmakler.

"Jetzt rennt man uns die Bude ein", sagt der Geschäftsführer einer dieser Nischenanbieter. Seit Januar gingen 50 bis 60 Anfragen täglich zu Liechtenstein-Policen bei ihm ein. Zuvor waren es fünf oder sechs die Woche, erzählt der Makler, der seinen Namen lieber nicht nennen möchte.

Dabei ist Vermögensverwaltung über Liechtensteiner Versicherungsmäntel völlig legal - so lange der Kunde seine Auszahlung, die in Liechtenstein steuerfrei ist, dem deutschen Fiskus meldet. Derzeit aber scheint man in der Öffentlichkeit mit Liechtenstein nur Negatives zu verbinden. Auch wenn man nichts zu verbergen habe, wer empfange schon gern unangemeldeten Besuch vom Finanzamt im Haus, deuten Gesprächspartner diskret an.

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