Mittwoch, 19. Dezember 2018

Immobilienmärkte Europas Betonblasen

Wie in Amerika sind auch in Teilen Europas die Immobilienpreise derzeit übertrieben hoch. Droht jetzt in Spanien oder Großbritannien ein ähnlicher Crash wie in den Vereinigten Staaten? manager-magazin.de vergleicht die wichtigsten Märkte und beschreibt die Risiken für Hausbesitzer.

Hamburg - Eine Preisblase erkennt man leider erst, wenn sie platzt. So lautet zumindest eine in Finanzkreisen beliebte Binsenweisheit. Manchmal sind übertriebene Preise aber auch vorher zu erkennen. Im Juni ließ die schottische Grafschaft Fife ein altes Klohäuschen im historischen Golfzentrum St. Andrews versteigern. Richtpreis: 50.000 Pfund (rund 74.000 Euro). Ein anonymer Investor, der das als "stark renovierungsbedürftig" eingestufte Gebäude angeblich zum Wohnhaus umbauen will, legte knapp 200.000 Pfund auf den Tisch.

Die Zeichen mehren sich, dass britische Toiletten so bald nicht wieder so teuer zu verkaufen sein werden. Der Hauspreisindex der Baugesellschaft Nationwide verzeichnete im November ein Minus von 0,8 Prozent, den größten Rückgang seit Juni 1995. Nationwide versicherte zwar, diese Monatsdaten seien wenig aussagekräftig und bestätigten auf das Jahr gesehen einen sanften Aufwärtstrend.

Doch David Miles, Chefökonom von Morgan Stanley im Vereinigten Königreich, sagt voraus, dass die Preise für Wohnhäuser im kommenden Jahr um 10 Prozent fallen werden. 2009 werde es sogar noch weiter abwärts gehen. In Miles' Augen wäre das nicht schlimm: "Ich denke nicht, dass fallende Hauspreise in irgendeiner Weise eine schlechte Sache sind." Das 10-prozentige Minus würde die Preise nur auf das Niveau von Ende 2006 zurückbringen. Außerdem sei das Problem des britischen Häusermarkts, dass viele Menschen sich kein Zuhause leisten können.

Eine schlechte Sache sind fallende Preise allerdings für Hausbesitzer, die ihre Immobilie verkaufen wollen - oder sie beliehen haben und mit der Hypothek ihren laufenden Konsum finanzieren. Genau diese Mischung macht gerade den USA zu schaffen. Immobilien sind die wichtigsten Vermögenswerte der privaten Haushalte, der Häusermarkt entscheidet mit über Kaufkraft und Zahlungsfähigkeit. Für eine abrupte Zunahme der Kreditausfälle, die sich wiederum in den Bankbilanzen niederschlagen, müssen die Hauspreise noch nicht einmal fallen. Es genügt, wenn sie nicht mehr so rasch steigen wie in den Vorjahren.

Anders als die Amerikaner haben die Briten in der jüngeren Vergangenheit bereits Erfahrung mit einer Immobilienrezession gesammelt. Anfang der 90er Jahre brachen die Häuserpreise um bis zu 30 Prozent ein, Millionen Briten konnten ihre Schulden nicht mehr begleichen oder mussten ihre Häuser verkaufen. In den USA dagegen hielt sich lange der Glaube, die Preise würden niemals fallen. Diesen Schluss schien die landesweite Statistik seit dem Zweiten Weltkrieg zuzulassen.

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