Mittwoch, 28. Juni 2017

VIP-Urteil Geld, Glamour - und ins Gefängnis

VIP-Filmfondsinitiator Andreas Schmid wurde in München wegen Steuerhinterziehung zu sechs Jahren Haft verurteilt. Schmids Kompagnon Grosch erhielt zwei Jahre auf Bewährung. Es wird erwartet, dass Schmid vor dem BGH in die Revision geht.

München - "Jeder Film entführt uns auf eine magische Reise durch unbekannte Welten, die wir erleben, wie einen plötzlich Wirklichkeit gewordenen Traum." Für Andreas Schmid ist dieser Traum, den er vor einigen Jahren im Vorwort seines Buches "Geld, Glamour und gute Nerven" beschrieb, inzwischen zum Alptraum geworden.

Verurteilt: VIP-Chef Andreas Schmid soll für sechs Jahre hinter Gitter
obs/VIP Medienfonds
Verurteilt: VIP-Chef Andreas Schmid soll für sechs Jahre hinter Gitter
Der Gründer und Kopf des Münchener Filmfonds-Emissionshauses VIP wurde heute vom Landgericht München wegen Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit der Konzeption und Realisierung des Filmfonds VIP 3 zu sechs Jahren Haft verurteilt. Schmids Kompagnon Andreas Grosch erhielt zwei Jahre auf Bewährung sowie die Auflage einer Geldbuße von 30.000 Euro. "Beide Angeklagten wussten, dass die Angaben in den Steuererklärungen falsch waren", sagte die Vorsitzende Richterin Huberta Knöringer bei der Urteilsverkündung am Dienstag.

Nach Einschätzung von Beobachtern wird Schmid nun in die Revision vor dem BGH gehen. Bis zu einer endgültigen Entscheidung kann der Initiator, der die vergangenen zwei Jahre in Untersuchungshaft verbracht hat, allerdings auf freien Fuß gelangen. Laut Gerichtsbeschluss muss Schmid zu dem Zweck eine Kaution in Höhe von vier Millionen Euro hinterlegen - zwei Millionen in bar und zwei in Form einer Bankbürgschaft.

Das Urteil ist der vorläufige Höhepunkt eines der größten Steuerverfahren. Seit mehr als sieben Monaten wurde verhandelt. Den Angeklagten Schmid und Grosch wurde Steuerhinterziehung und Untreue im großen Stil vorgeworfen. Sie sollen die Mittel der Filmfonds VIP 3 und 4 in Höhe von insgesamt etwa 630 Millionen Euro zum weitaus größten Teil unkorrekt verwendet haben. Anstatt damit Filme zu finanzieren, so der Vorwurf, seien 80 Prozent der Gelder auf sicheren Bankkonten geparkt worden. Auf diese Weise sollte die Einhaltung bei Fondsplatzierung ausgesprochener Garantien ermöglicht werden.

Um ein Haar wären dem Staat auf diese Weise Steuereinnahmen in Höhe von deutlich mehr als 200 Millionen Euro entgangen. Kurioserweise waren allerdings nicht Schmid und Grosch selbst Nutznießer der Steuerersparnis. Profitiert haben vielmehr zum weitaus größten Teil die Anleger der Fonds VIP 3 und 4.

Der Hintergrund: Werden Mittel zur Filmfinanzierung verwendet, sind sie sofort abschreibbar. So entstanden jahrelang die begehrten steuerlichen Verluste von bei Filmfonds in der Regel 100 Prozent und mehr des eingezahlten Kapitals. Für Geld, das lediglich auf einem Bankkonto liegt, gibt es diese Anreize jedoch nicht.

Neue Hoffnung für Anleger

Die mehr als 10.000 Anleger der beiden VIP-Filmfonds, die bereits Steuervorteile in Höhe von insgesamt mehr als 270 Millionen Euro verbucht hatten, erhielten daher nach Bekanntwerden der staatsanwaltschaftlichen Anschuldigungen umgehend Post vom Finanzamt. Die Steuererleichterungen wurden für nichtig erklärt, die Zeichner mussten die erlassenen Steuern nachzahlen.

Nach dem Münchener Urteil können nach Einschätzung von Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen von der Bremer Kanzlei KWAG auch viele tausend Anleger der Fonds VIP 3 und 4 neue Hoffnung schöpfen, die zurzeit gerichtlich um Schadenersatz streiten.

"Wir rechnen damit, dass es aufgrund der Verurteilung von Schmid zu einer Beweislastumkehr in den Zivilverfahren gegen ihn kommt", sagt Gieschen. "Das heißt, jetzt müssen nicht mehr die Anleger beweisen, dass der Initiator unrechtmäßig gehandelt hat, sondern der Initiator muss seine Unschuld nachweisen."

Auch in den Verfahren gegen die beteiligten Banken erwartet Gieschen Rückenwind für die Anleger. Die Dresdner Bank und die HypoVereinsbank hatten die Fonds VIP 3 und 4 mit Garantien ausgestattet. Das Gros der Anleger waren zudem von Mitarbeitern der Commerzbank bei der Fondszeichnung beraten worden. "Vor allem die Commerzbank gerät jetzt in Bezug auf den Vertrieb des VIP 4 in Erklärungsnot", erwartet Gieschen. "Denn laut heutigem Urteil war die Konzeption des VIP 3 bereits unsauber. Die Bank hätte daher den später aufgelegten VIP 4 nicht mehr vertreiben dürfen."

manager-magazin.de mit Material von reuters

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