Freitag, 30. September 2016

Geschlossene Fonds Peer Steinbrücks späte Rache

Nach einem Treffen von Anlegern des Filmfondsemittenten VIP in Bremen rollt auf die Commerzbank eine weitere Klagewelle zu. Ein genauer Blick zeigt jedoch: Der wahre Gegner der Investoren sitzt nicht in Frankfurt, sondern in Berlin - und längst nicht nur VIP-Anleger sind betroffen.

Bremen - Auf den ersten Blick ist es ein überschaubares Grüppchen. Rund 30 Anleger trafen sich am Wochenende in Bremen, um gemeinsam gegen die Commerzbank vorzugehen.

Der Vorwurf: Bei der Vermittlung von Filmfonds des Münchener Anbieters VIP habe die Bank die notwendigen Risikohinweise nicht gegeben. Konkret geht es um die Fonds VIP 3 und 4. "Mir wurde das Produkt als Garantiefonds verkauft", sagt Wilfried Pesch, Vorsitzender der neu gegründeten Interessengemeinschaft und selbst mit 85.000 Euro am VIP 4 beteiligt. "Hinweise zu mit der Anlage verbundenen Risiken sind während der Beratung nicht erfolgt."

Gemeinsam mit der Bremer Kanzlei KWAG will Pesch noch in diesem Jahr Klage gegen die Commerzbank einreichen. "Auch das so genannte Garantiekonzept der Fonds wurde durch die Bank falsch dargestellt", sagt KWAG-Anwalt Jan-Henning Ahrens. "So entstand häufig der Eindruck, als könne bei einem Fondsinvestment nichts verloren gehen. Tatsächlich beträgt jedoch der maximale Rückfluss einer 25.000-Euro-Beteiligung im schlimmsten Fall kaum mehr als 5000 Euro."

Allein die Kanzlei KWAG vertritt laut Ahrens rund 400 Anleger, die über die Commerzbank VIP-Anteile in Höhe von rund 35 Millionen Euro gezeichnet haben. Insgesamt hat die Bank für die Fonds VIP 3 und 4 nach eigenen Angaben rund 7500 Anleger gewonnen. Genug Potenzial für eine weitere Klagewelle ist also vorhanden.

Nur die halbe Wahrheit

Der Verweis auf fehlende Risikohinweise und Falschberatung als Begründung für Geldrückforderungen ist allerdings bestenfalls die halbe Wahrheit. Schließlich ist momentan noch gar nicht absehbar, welchen wirtschaftlichen Erfolg die Beteiligungsgesellschaften überhaupt erzielen werden.

Sowohl der VIP 3 als auch der VIP 4 befinden sich gegenwärtig in der so genannten Bewirtschaftungsphase. Die Gelder werden investiert, Filme produziert und ausgewertet. Was dabei für die Anleger herausspringt, wird sich erst am Ende der Laufzeit zeigen - ebenso, inwieweit die Risiken des Fondsinvestments überhaupt zum Tragen kommen. Beim VIP 4 etwa ist Laufzeit bis 2014 veranschlagt.

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