Dienstag, 19. März 2019

Infrastruktur Megamarkt mit Minirenditen

Mit der Einführung neuartiger Infrastrukturfonds sollen Investments in Häfen, Straßen und Schulgebäude zum neuen Anlagetrend werden. Eine Studie zeigt, wie gerne die öffentliche Hand inzwischen nach privatem Kapital greift. Doch mit welchen Renditen können die Geldgeber rechnen? Eine Analyse.

Hamburg - Sie streitet sich mit den Fußgängern, sie streitet sich mit den Radfahrern und mit den öffentlichen Verkehrsbetrieben streitet sie sich auch. Die Herrentunnel Lübeck GmbH & Co. KG liegt im Clinch mit der halben Welt, könnte man meinen.

Hafenanlagen: Immer mehr Staaten und Kommunen greifen zur Finanzierung ihrer Infrastruktur auch auf private Investoren zurück
Und alles nur, weil bei weitem nicht so viele Autofahrer die Trave durch den mautpflichtigen Tunnel unterqueren wollen, wie ursprünglich geplant. Jetzt sind die Betreiber gezwungen, um jeden Preis Umsätze zu machen - ein kostenloser Busshuttle für Radfahrer und Fußgänger etwa steht daher auf dem Prüfstand.

Der Herrentunnel ist ein viel zitiertes Beispiel für die missglückte Investition privater Gelder in Infrastruktureinrichtungen. Rund 175 Millionen Euro wurden aufgewendet, um eine bis dato genutzte Brücke zu ersetzen. Wann die Gesellschafter, die Bauunternehmen Hochtief Börsen-Chart zeigen und Bilfinger Berger Börsen-Chart zeigen, auf ihre angestrebte Rendite von rund 12 Prozent kommen, steht in den Sternen. "Die erreichen wir nie", sagt ein Insider gegenüber manager-magazin.de.

Weltweites Potenzial

Öffentlich-Private-Partnerschaften - kurz ÖPP - wie jenes in Lübeck, bei denen privatwirtschaftliche Investoren zur Finanzierung öffentlicher Einrichtungen wie Straßen, Schienen oder Schulgebäuden herangezogen werden, rücken immer mehr in das Interesse der Kapitalanlagemärkte. Über so genannte ÖPP-Fonds, die laut Investmentgesetznovelle demnächst eingeführt werden sollen, können künftig Privatanleger im großen Stil auf diesem Gebiet investieren. Schon heute haben sie mit einzelnen geschlossenen Fonds die Möglichkeit dazu. Höchste Zeit also zu fragen, welche Renditen mit solchen Investitionen möglich sind.

Eines ist klar: Der Markt, der sich hier für die private Anlage öffnet, hat gewaltiges Potenzial. Laut dem Deutschen Institut für Urbanistik (DIFU) müssen in Deutschland allein auf kommunaler Ebene jährlich mindestens 70 Milliarden Euro in die Infrastruktur investiert werden. Zum Vergleich: Weltweit sind nach Berechnung des Beratungsunternehmens Booz Allen Hamilton in den nächsten 25 Jahren gigantische 40 Billionen Dollar erforderlich.

"Im Bereich Infrastruktur haben wir einen Investitionsstau", sagt Michael Janetschek, Partner bei der Ernst & Young Real Estate GmbH. "Gegenwärtig wird bestenfalls ein Drittel dessen investiert, was eigentlich erforderlich wäre." Grund genug also, weitere private Gelder zu mobilisieren. Mit den ÖPP-Fonds will der Bund den Anteil der Infrastrukturprojekte, die privat finanziert werden, auf bis zu 15 Prozent steigern. Gegenwärtig kommen lediglich etwa 1 bis 2 Prozent der Mittel aus privater Quelle.

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