Mittwoch, 19. Dezember 2018

130/30-Trend Wenn Fonds zu Wettscheinen werden

Immer mehr Investmentfonds tragen das Kürzel 130/30 im Namen. Deren Manager wollen mit Termingeschäften die Rendite nach oben treiben und wetten dabei auch auf Kursverluste. Doch nicht jeder Portfolioverwalter eignet sich zum Hedgefondslenker.

Hamburg - Gute Idee oder nur ein Modetrend, der vorübergeht? Von beidem hat die Investmentfondswelt schon reichlich gesehen. Zurzeit taucht in immer mehr Fondsnamen die Formel 130/30 auf. Und wieder müssen sich die Anleger fragen: Worum geht es dieses Mal? Soll lediglich mit geschicktem Marketing Kapital aus der derzeitigen Unsicherheit an den Märkten geschlagen werden? Oder handelt es sich bei der 130/30-Anlagestrategie wirklich um eine Innovation, die zur Renditesteigerung beitragen kann?

Wettscheine: Die Manager der 130/30-Fonds wetten auch auf fallende Kurse
Tatsächlich verbirgt sich hinter der Zahlenkombination ein Anlagekonzept, das in den USA und Großbritannien vor allem im institutionellen Bereich bereits seit einiger Zeit angewendet wird. Das Prinzip: Der 130/30-Ansatz baut auf den hierzulande bislang marktbeherrschenden Long-only-Strategien auf. Bei diesen kauft der Fondsmanager - einfach gesagt - Aktien und versucht später, diese mit Gewinn zu veräußern. Dabei bemüht er sich, den von ihm gemanagten Fonds mit besonders aussichtsreichen Aktien zu bestücken.

Auch bei der 130/30-Strategie erfahren Aktien, von denen das Fondsmanagement überzeugt ist, eine Sonderbehandlung. Im Unterschied zum Long-only-Ansatz gilt dies jedoch nicht nur für überdurchschnittlich aussichtsreiche Titel, sondern ebenso für ausgesprochen schwache Papiere.

Wetten auf Kursgewinne und -verluste

Bis zu einem Anteil von 30 Prozent am Gesamtportfolio bauen die Fondsmanager sogenannte Short-Positionen zu vermeintlich fallenden Aktien auf. Sprich: Sie wetten auf Kursverluste dieser Papiere. Die so erzielten zusätzlichen Erträge fließen in den Ausbau des Long-Portfolios - das dadurch auf bis zu 130 Prozent anwachsen kann. Echte Leerverkäufe, wie sie bei reinrassigen Hedgefonds üblich sind, dürfen die 130/30-Fonds dabei zwar nicht durchführen. Sie nutzen aber die Möglichkeit zum Einsatz von Derivaten wie Swaps und Futures, die ihnen vor einigen Jahren durch die Ucits-III-Richtlinie eingeräumt wurde.

"Durch die 130/30-Strategie besteht die Möglichkeit, die besonderen Fähigkeiten des Fondsmanagements sowie dessen Informationsvorsprung stärker zur Geltung zu bringen als bei herkömmlichen Fonds", sagt Ingo Ahrens, Leiter des Publikumsvertriebs für Deutschland und Österreich bei Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen. "Ziel ist es, eine höhere Outperformance - man spricht vom sogenannten Alpha - gegenüber dem Vergleichsmaßstab zu erzielen, ohne dabei das Anlagerisiko, den Tracking-Error also, zu steigern."

Im Klartext heißt dies: Gute Fondsmanager können durch den Einsatz der 130/30-Strategie ihre Kenntnisse des Markts und einzelner Unternehmen in größere Zusatzerträge verwandeln, als bei einer reinen Long-only-Strategie. In einer Studie zeigt Goldman Sachs auf, dass dies machbar ist - jedenfalls theoretisch.

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