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31.07.2007
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Altersvorsorge
Die "Weichspüler"

Von Lutz Reiche

Neue Produkte der Lebensversicherer locken mit mehr Rendite, weichen Garantien aber drastisch auf, warnt Aktuar Axel Kleinlein. Den Wert dieser Zusagen könnten Experten kaum noch durchdringen. Die Transparenz bleibt auf der Strecke - auch bei staatlich geförderten Produkten, kritisiert der Versicherungsmathematiker.

mm.de: Herr Kleinlein, Lebensversicherer bieten zur privaten Altersvorsorge verstärkt Produkte an, die sich immer enger am Kapitalmarkt orientieren und statt herkömmlicher Zinsgarantien neue, abgespeckte Zusagen bieten. Welche Gründe sehen Sie dafür?

"Angst vor Garantien": Der Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein ist Experte für Altersvorsorge und Kapitalanlagen beim Bundesverband Verbraucherzentralen. Zuvor arbeitete der Aktuar für die Allianz Leben, betreute den Bereich Lebensversicherung/ Altersvorsorge als Projektleiter in der Abteilung Finanzdienstleistungen der "Stiftung Warentest". Zudem leitete Kleinlein als Mitarbeiter der Ratingagentur Assekurata Branchenuntersuchungen zu Lebensversicherungen.
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"Angst vor Garantien": Der Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein ist Experte für Altersvorsorge und Kapitalanlagen beim Bundesverband Verbraucherzentralen. Zuvor arbeitete der Aktuar für die Allianz Leben, betreute den Bereich Lebensversicherung/ Altersvorsorge als Projektleiter in der Abteilung Finanzdienstleistungen der "Stiftung Warentest". Zudem leitete Kleinlein als Mitarbeiter der Ratingagentur Assekurata Branchenuntersuchungen zu Lebensversicherungen.

Kleinlein: Wir haben den Eindruck, die Unternehmen haben zusehends Angst davor, harte Garantien auszusprechen. Die Folge sind weichgespülte Garantien.

mm.de: Weil sie befürchten, die Garantien nicht mehr erfüllen zu können?

Kleinlein: Mit aktuell 2,25 Prozent liegt der Garantiezinssatz für Neuverträge sehr niedrig. Die älteren Verträge bekommen jedoch bis zu 4 Prozent auf den Sparanteil garantiert. Da macht sich das eine oder andere Unternehmen vielleicht noch immer Sorgen, langfristig die Zinsen erwirtschaften zu können.

Die Furcht vor der Garantie dürfte vermutlich aber vor allem auf die Auswirkungen der demografischen Entwicklung zurückgehen. Bei Rentenversicherungsprodukten müssen die Unternehmen mittlerweile Geld für die Garantien nachschießen. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Anbieter mit neuen Produkten versuchen, solchen Nachschusspflichten zu entgehen, indem sie möglichst wenig Garantien geben oder sie so weit aushöhlen, dass für den Kunden am Schluss verhältnismäßig wenig übrig bleibt.

mm.de: Nachschießen? Wie ist es dazu gekommen?

Kleinlein: Die jüngsten Sterbetafeln und Kalkulationsstatistiken der Deutschen Aktuarvereinigung vermitteln den Eindruck, dass die Menschen im Schnitt länger leben würden. Gleichwohl sind diese Tafeln Grundlage für die Kalkulation der Unternehmen. Um einst ausgesprochene Garantien halten zu können, müssen die Lebensversicherer deshalb zusätzlich Geld zur Seite legen und für alle Rentenversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, voraussichtlich bis zum Jahr 2025 frisches Kapital in den sogenannten Deckungsstock nachschießen. Dafür kürzen sie jedoch die Überschussbeteiligung. Letztlich also kommen die Kunden für dieses "Nachschießen" selbst auf.

mm.de: Wie unterscheiden sich die Garantien der neuen Produktgeneration von herkömmlichen Garantien der Lebensversicherer?

Kleinlein: Die neuen Garantieversprechen erscheinen uns zunehmend intransparenter. So werden zum Beispiel Garantien ausgesprochen, die nur noch zu bestimmten Zeitpunkten gelten, etwa zum Ende eines Vertrags, sogenannte endfällige Garantien.

mm.de: Was ist daran intransparent, wenn die Axa jährlich 3 Prozent Verzinsung auf den Sparbeitrag bietet, diese Garantie allerdings erst zum Ende des Vertrages greift?

Kleinlein: Zum einen ist unklar, wie hoch der Sparanteil wirklich ist - das trifft indes auch auf viele andere Verträge von Lebensversicherungen zu. Zum anderen wird der Kunde bei solchen oder ähnlichen Produkten nur selten über den Umstand informiert, dass herkömmliche Garantien für den Vertragsverlauf nicht vorhanden sind. Das hat Folgen: Die Rückkaufswerte sind sehr niedrig oder gar nicht vorhanden. Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hat diesbezüglich aber klar gezeigt, was unter Transparenz zu verstehen ist. Die können wir bei solchen Produkten nicht erkennen.

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