Donnerstag, 17. Januar 2019

Investmentfonds Das Flaggschiff, die Wellen und der Kapitän

Der Investmentfonds Fidelity European Growth bündelt über 18 Milliarden Euro und zählt damit zu den Schwergewichten der Branche. manager-magazin.de spricht über die damit verbundenen Schwierigkeiten exklusiv mit Fondsmanager Alexander Scurlock 100 Tage nach dessen Amtsantritt.

mm.de: Es wird immer wieder gesagt, der Fonds sei mit gut 18 Milliarden Euro Volumen zu groß - wahr oder unwahr?

Länge läuft: Das sagt zumindest der Seemann und meint damit, dass Größe sich in Geschwindigkeit auszahle. Bei Fonds ist das nicht unbedingt der Fall
Scurlock: Dass der Fonds zu groß sei, wird oft behauptet, ist aber dennoch falsch. Im Vergleich zur gesamten europäischen Börsenkapitalisierung von rund 8400 Milliarden Euro ist der Fidelity European Growth Fund Börsen-Chart zeigen beinahe klein: Er deckt gerade einmal rund 0,2 Prozent davon ab. Insofern haben wir noch sehr viel Luft. Die Fondsgröße hat auch nie ein Problem dargestellt, sondern, wenn überhaupt, die hohe Zuflussgeschwindigkeit. In der Spitzenzeit erhielt der European Growth Fund im Jahr 2005 innerhalb eines Monats eine Milliarde Euro an neuen Geldern.

Diese Summe müssen Sie als Fondsmanager erst einmal schnell und sinnvoll investieren können. Um unsere Anleger zu schützen, hatten wir uns ab 2005 dazu entschlossen, die Zuflüsse zu begrenzen. Diese Begrenzungen haben wir mittlerweile aufgrund unseres deutlich vergrößerten Analystenteams, das mir ganz neue Möglichkeiten der Anlagevielfalt eröffnet, wieder aufheben können.

mm.de: Aber erst einmal wollten die Anleger Anteile im Wert von einer Milliarde Euro zurückgeben - hat der Abfluss von einer Milliarde Euro Ihre Arbeit geändert?

Scurlock: Nein. Sowohl hohe Mittelzuflüsse als auch -abflüsse haben grundsätzlich keinen Effekt auf meinen Investmentprozess. Ich werde vom größten europäischen Analystenteam in der gesamten Branche unterstützt. Gleichzeitig verfügt Fidelity über modernste Handelssysteme und eine Infrastruktur, die unsere Fondsmanager in die Lage versetzen, auch sehr große Summen zu managen.

mm.de: Konnten Sie die Summe also aus der Liquidität zurückzahlen?

Scurlock: Einen guten Teil konnte ich aus liquiden Mitteln zahlen. Allerdings sind Fidelity-Fondsmanager grundsätzlich immer mit dem überwiegenden Anteil des Fondsvermögens investiert und halten vergleichsweise nur geringe Bargeldbestände. Das können Sie auch im direkten Vergleich mit anderen Fonds der Branche erkennen. Insofern mussten natürlich auch Aktienanteile zurückgegeben werden.

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