Dienstag, 20. November 2018

Altersvorsorge Am liebsten mit 59 in Rente

Die Rente mit 67 kommt, das ist sicher. Die Deutschen aber lehnen sie mit großer Mehrheit ab. Und obwohl sie der gesetzlichen Rentenversicherung nicht mehr über den Weg trauen, würden die Menschen am liebsten mit 59 Jahren in den Ruhestand wechseln. Die Wirklichkeit sieht jetzt schon anders aus.

Hamburg - Wunsch und Wirklichkeit liegen - wie so oft im Leben - sehr weit auseinander. Das gilt auch für das Thema Ruhestand und Rente. Die Mehrheit der Deutschen lehnt die beschlossene Rente mit 67 ab. 73 Prozent der Bürger hierzulande sind gegen ein Anheben der gesetzlichen Altersgrenze. 59 Jahre erscheint der Mehrheit der Deutschen als ideales Alter, um von dem Erwerbsleben in den Ruhestand zu wechseln, wie jetzt eine repräsentative Umfrage des Axa-Konzerns ergeben hat.

Spaß im Ruhestand: Das wünschen sich die meisten Menschen - am liebsten schon mit 59 Jahren. Zu finanzieren ist das allerdings nicht, jedenfalls nicht aus der Gemeinschaftskasse.
So weit zum Wunsch. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Tatsächlich liegt das durchschnittliche Renteneintrittsalter der Deutschen derzeit bei 60,8 Jahren. Rechnet man jene Menschen, die wegen eines körperlichen oder seelischen Leidens früher in Rente gehen heraus, beziehen die Deutschen im Schnitt erstmals mit 63,2 Jahren eine Altersrente, erklärt ein Sprecher des Ministeriums für Arbeit und Soziales auf Anfrage von manager-magazin.de. Das tatsächliche Renteneintrittsalter dürfte in Zukunft eher noch steigen, sagen Experten.

Beruhigend mag angesichts der angespannten Reformdiskussion und chronisch knapper Rentenkassen wirken, dass die Deutschen immerhin erwarten, erst mit 63 Jahren in den Ruhestand wechseln zu können, allerspätestens sollte aber mit 64 Jahren Schluss sein. Dabei geht die überwältigende Mehrheit der Bundesbürger davon aus, dass ihr Einkommen im Alter niedriger sein wird - nämlich 85 Prozent der Erwerbstätigen und 78 Prozent der Ruheständler. Zugleich befürchtet rund die Hälfte aller Befragten, dass ihr Lebensstandard im Rentenalter sinken wird und das zur Verfügung stehende Geld nicht mehr ausreicht.

99 Prozent sehen eine Systemkrise

In diese eher skeptische Grundstimmung fügt sich nahtlos ein, dass 99 Prozent der Befragten das Sozialversicherungssystem in Deutschland in der Krise sehen oder es ihrer Meinung nach zumindest "ernsthafte Probleme" hat. Mehr als 40 Prozent der Erwerbstätigen zweifeln gar an der Überlebensfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung. Angesichts realer Renteneinbußen infolge zunehmender finanzieller Belastungen der Senioren heute überrascht es wenig, dass insbesondere jüngere Menschen kaum noch Vertrauen in die gesetzliche Altersrente haben. So erwarten gut zwei Drittel der Befragten zwischen 25 und 44 Jahren, dass es keine gesetzliche Altersrente mehr geben wird, wenn sie selbst 75 Jahre alt sind.

Überraschend wirkt vor diesem Hintergrund allerdings, dass mehr als ein Drittel der Erwerbstätigen in Deutschland noch nicht damit begonnen hat, finanziell für das Alter vorzusorgen und dies erst im Schnitt mit 48 Jahren ändern will. Mit Blick auf herkömmliche Erwerbsbiografien in Deutschland ist das nach Einschätzung von Experten viel zu spät, um auch nur annähernd den gewohnten Lebensstandard im Rentenalter halten zu können.

Viele Menschen sind sich also durchaus der Rentenproblematik bewusst, handeln aber nicht danach oder einfach zu spät. "Eine gefährliche Einstellung", wie der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg meint. Denn ein Großteil der heutigen jungen Generation sähe sich dann im Alter mit einem erheblichen Versorgungsdefizit konfrontiert.

Nun könnte man meinen, diese Menschen würden dann im Alter ihre karge Rente mit einem Nebenjob aufbessern. Danach sieht es aber nicht aus: Rund zwei Drittel der derzeit Erwerbstätigen lehnen es ab, einer bezahlten Tätigkeit im Ruhestand nachzugehen.

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