Montag, 10. Dezember 2018

Lebensversicherer "Die Gutschriften werden sinken"

2. Teil: "Deutsche Kunden verlangen Garantien"

mm.de: Ihr Team deutet im jüngsten Report an, dass sich der Charakter der Vorsorgeprodukte verändern wird, zum Beispiel bei den Garantien. Was erwarten Sie konkret?

 Wer mehr Rendite will, muss künftig bereit sein, mehr Risiken zu tragen.
[M]mm.de
Wer mehr Rendite will, muss künftig bereit sein, mehr Risiken zu tragen.
Ockenga: Die durchschnittliche Mindestgarantie aller Verträge der deutschen Lebensversicherer liegt derzeit bei 3,4 Prozent. Das ist im europäischen Vergleich einzigartig. Für die Unternehmen ist es aber gleichzeitig sehr teuer, solche Garantien abzubilden, zumal die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen angesichts des nach wie vor niedrigen Zinsniveaus tendenziell sinkt. Deshalb versuchen viele Versicherer, von diesen Garantien weg zu kommen.

Deutsche Kunden verlangen aber Garantien. Es wird nicht so einfach sein, die Verbraucher zu risikoreicheren, fondsgebundenen Policen zu bewegen. Wir erwarten deshalb, dass künftig mehr innovative Produkte auf den Markt kommen werden, die versuchen, beides zu verbinden: Renditechancen durch die Anlage in höher rentierliche Assetklassen und zugleich Garantien, wobei letztere dann aber zum Ende der Laufzeit und nicht jedes Jahr gutgeschrieben werden.

mm.de: Wer künftig mit einem Lebensversicherungsprodukt für das Alter vorsorgen möchte, muss also bereit sein, mehr Risiken zu tragen und dann erst recht den Vertrag bis zum Ende durchhalten?

Ockenga: Ja, so könnte man es sehen.

mm.de: Nun steigen die Zinsen wieder seit geraumer Zeit. Was bedeutet das für die Versicherer?

Ockenga: Der Zinsanstieg in den vergangenen zwölf Monaten hat dazu geführt, dass die stillen Reserven in den Portfolios der Versicherer deutlich zurückgegangen sind und sich dadurch die Sicherheitsmittel der Unternehmen vermindert haben. Gleichwohl sehen wir es grundsätzlich positiv, dass die Zinsen steigen. Denn langfristig vergrößert sich damit die noch sehr kleine Spanne zwischen der Nettoverzinsung der Kapitalanlagen und der garantierten Mindestverzinsung von besagten 3,4 Prozent. Kurzfristig gehen wir jedoch davon aus, dass die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen der Versicherer weiter sinken wird, weil viele hochverzinsliche Anleihen in den Beständen der Versicherer in den nächsten ein bis zwei Jahren auslaufen.

mm.de: Zum 1. Januar 2007 wird der Garantiezins für neu abgeschlossene Kapitallebens- und Rentenversicherungen auf 2,25 Prozent gesenkt. Einige Gesellschaften beginnen bereits damit, Schlussverkaufsstimmung zu schüren. Ist zum Jahresende eine ähnliche Sonderkonjunktur zu erwarten wie zu gleichen Anlässen in der Vergangenheit?

Ockenga: Aus unseren Gesprächen mit den Unternehmen wissen wir, dass einige Versicherer entsprechende Werbekampagnen starten wollen. Andere wiederum wollen darauf verzichten. Unserer Einschätzung nach täte sich die Branche damit auch keinen Gefallen. Denn sie liefe Gefahr, künftige Kunden zu vergraulen. Ein Garantiezins von 2,75 Prozent auf den reinen Sparbeitrag ist ohnehin nicht viel. Die anstehende Senkung dürfte für viele Vorsorgesparer deshalb kein starkes Argument für einen Vertragsabschluss sein. Vor diesem Hintergrund erwarten wir keine Sondereffekte wie in den vergangenen Jahren.

mm.de: Werden Riester-Produkte im kommenden Jahr erneut eine wichtige Stütze für die Lebensversicherer sein?

Ockenga: Ja. Auch wenn die nächste Riester-Stufe, also die höhere steuerliche Absetzbarkeit der Vorsorgebeiträge, erst im Jahr 2008 greift, gehen wir davon aus, dass das Geschäft mit Riester-Produkten gut laufen wird.

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