Montag, 23. Oktober 2017

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Islamic Banking Rendite ohne Zinsen

Weltweit wächst die Nachfrage nach Anlageprodukten, die den strengen Grundsätzen des Korans folgen. Große Finanzhäuser, darunter auch deutsche Anbieter, wittern ein Milliardengeschäft. manager-magazin.de sagt, wie die Islam-konformen Investments funktionieren.

Hamburg - Die Finanzszene horchte auf, als die Commerzbank-Investmenttochter Cominvest im Frühjahr 2000 einen Aktienfonds mit dem exotischen Namen Al Sukoor auf den Markt brachte. Zum ersten Mal vertrieb eine Bank in Deutschland damit einen Fonds, der sich an islamischen Grundsätzen orientierte.

Islamic Banking:
Weitgehend unentdeckter Markt in Deutschland
Ein Experiment mit Potenzial: Immerhin rund 3,5 Millionen Muslime leben hier zu Lande, die Mehrheit von ihnen ist türkischer Herkunft. Anlageprodukte, die sich nach strengen islamischen Glaubensregeln richten, waren in Deutschland bis dahin nicht zu bekommen. "Vielfach legen die gläubigen Muslime ihr Geld bei der Sparkasse vor Ort an, teilweise investieren sie es in Immobilien in ihren Heimatländern", sagt Michael Saleh Gassner, Experte für Islamic Banking in Köln im Gespräch mit manager-magazin.de.

Studien ergaben, dass die türkischen Arbeitnehmer in Deutschland eine beinahe doppelt so hohe Sparquote aufweisen wie ihre deutschen Kollegen. Experten schätzen ihre jährliche Sparleistung auf rund 1,5 Milliarden Euro.

Strenggläubigen Muslimen bleiben viele Formen der Geldanlage verwehrt, die im klassischen Bankgeschäft gang und gäbe sind. Der Koran verbietet es, Zinsen einzunehmen oder zu bezahlen. Instrumente wie Sparbücher, Festgeld, Anleihen oder Kredite und Hypotheken sind damit ausgeschlossen. Lassen sich Zinsen gar nicht vermeiden, sollen sie für wohltätige Zwecke gespendet werden.

Auch Versicherungen widersprechen den Glaubensgrundsätzen. Sie gelten als "Wette gegen den göttlichen Willen" und als "Spiel mit dem Risiko". Islam-konforme Versicherungen sind deshalb vielfach nach dem Prinzip genossenschaftlicher Versicherungsvereine gestaltet und schütten ihre Gewinne gleichmäßig aus.

Die Geldanlage in Aktien und Aktienfonds ist hingegen sehr beliebt. Der Koran erlaubt alle Erträge, die auf einem Handel oder einer Investition in ein bestimmtes Produkt basieren. "Nach dem Prinzip der Gewinn- und Verlustteilung sind Anlagen in Aktien nach islamischen Grundsätzen sehr gern gesehen, weil sich der Anleger am unternehmerischen Risiko beteiligt", erklärt Stefan Kirsch, Chefstratege im internationalen Private Wealth Management der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen in Zürich.

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