Mittwoch, 15. August 2018

Börsenpsychologie "Menschen sind nun mal so"

Die Börse zieht manche Anleger geradezu magisch an, manche Fallen allerdings offenbar auch. Joachim Goldberg sagt im Gespräch mit manager-magazin.de, warum Anleger schnell zu selbstsicher werden und warum es immer Bubbles und Crashes geben wird.

mm.de:

Herr Goldberg, warum schaffen es Deutschlands Anleger immer wieder, zu viel Geld in die falschen Investments zu stecken?

 Joachim Goldberg ist Geschäftsführer der von ihm mitbegründeten Firma Cognitrend, die sich auf Finanzmarktanalysen mit psychologischem Blickwinkel spezialisiert hat. Zuvor arbeitete der Börsenkenner im Devisenhandel der Deutschen Bank
Petra Welzel
Joachim Goldberg ist Geschäftsführer der von ihm mitbegründeten Firma Cognitrend, die sich auf Finanzmarktanalysen mit psychologischem Blickwinkel spezialisiert hat. Zuvor arbeitete der Börsenkenner im Devisenhandel der Deutschen Bank
Goldberg: In vielen Fällen fehlt den Sparern die richtige Information. Hören sie beispielsweise allein vom Börsenerfolg des Nachbarn, wollen sie es ihm gleichtun - und legen selbst ein paar Euro an. Und wenn sie dann ein paar Euro verdienen sollten ohne sich umfassend zu informieren, ist oft der erste Schritt in Richtung Fehlschlag gemacht.

mm.de: An Börsengewinnen ist aber noch niemand arm geworden, oder?

Goldberg: Nein, aber durch die Serie, die durch anfängliche und womöglich sogar zufällige Börsenerfolge oft in Gang gesetzt wird. Die Leute beginnen zu glauben, die Zukunft kontrollieren zu können - und erhöhen ihren Börseneinsatz.

mm.de: Wie weit kann das gehen?

Goldberg: Manchmal zu weit. Manche Anleger spekulieren plötzlich mit größeren Teilen ihres Vermögens und vertrauen dennoch auf das eigene Händchen bei der Auswahl der Investments. Wenn dann etwas schief geht, stehen die Investoren plötzlich mit einem erheblichen Verlust da.

mm.de: Also ist Selbstüberschätzung ein wichtiger Grund für Fehlschläge beim Vermögensaufbau?

Goldberg: Absolut. Wer vier-, fünfmal Erfolg an der Börse hatte, gesteht sich eines nicht mehr ein: nämlich, dass seine Gewinne womöglich purer Zufall waren. Den Anlegern erscheint es als Können.

mm.de: Wie bemerken Sparer, dass sie kurz davor sind, in diese gefährliche Lage zu geraten?

Goldberg: Das typische Kennzeichen dieser gelernten Sorglosigkeit ist die Gier, und die kann jeder an seinem Kontoauszug ablesen: Gefährlich wird es ab dem Moment, in dem die Einsätze mit einem Mal erheblich, etwa eine Verdoppelung, größer werden.

mm.de: Wie schützen sich Profis vor dieser Gefahr?

Goldberg: Nicht immer ausreichend. Das Gefühl Geld zur Verfügung und in der Vergangenheit Erfolg gehabt zu haben, ist auch für sie ein gefährlicher Mix. Deshalb dürfen sie oft nur in einem genau festgelegten Rahmen handeln und dabei bestimmte Anlagesummen nicht überschreiten.

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