Mittwoch, 12. Dezember 2018

Bausparen Kein Schlüssel zum Glück

Das Bausparen boomt. Doch die anhaltend niedrigen Zinsen rütteln an alten Traditionen. Zwar gilt das Bauspardarlehen nach wie vor als klassische Grundlage der Baufinanzierung, doch Verbraucherschützer warnen: Derzeit sind normale Baukredite häufig weitaus preiswerter.

Bremen - Im anhaltenden Rekordzinstief ist die Erkenntnis bitter: Ein normales Annuitätendarlehen ist zurzeit so unschlagbar günstig zu haben, dass die meisten Bausparkredite nicht mithalten können. Wer nicht nachrechnet und das Darlehen der Bausparkasse "blind" abrufe, mache meist Verluste, warnt Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen.

Einfamilienhaus: Bauspardarlehen sind nicht immer die günstigste Finanzierungsmöglichkeit für die eigenen vier Wände
Für Bausparer, die ihr vorfinanziertes, vermeintlich günstiges Darlehen antreten ohne nachzurechnen, seien Einbußen von bis zu 25 Prozent keine Seltenheit, so Gottschalk. Wer einen zuteilungsreifen Vertrag mit höheren Summen besitze, solle ihn auf keinen Fall automatisch zur Immobilienfinanzierung nutzen. Wer die Konditionen nicht genau vergleiche, dem drohe womöglich ein Minusgeschäft.

Auch Christiane Kienitz von der Verbraucherzentrale Hessen betont: "Rentabel sind die meisten Verträge nur noch bei kleineren Beträgen." Speziell die Komplettfinanzierung per Bausparen sei "gefährlich". Unzählige Häuslebauer mit vorfinanzierten Verträgen hätten jahrelang aufs falsche Pferd gesetzt. Die Enttäuschung sei groß. "Das Problem taucht bei uns sehr oft auf, das ist Tagesgeschäft", berichtet Kienitz aus ihrer Beratertätigkeit.

Noch vor einigen Jahren war Bausparen zum Hauskauf oder -bau ein besser kalkulierbares Geschäft für die Kunden. Die Rechnung ging in den Jahren mit großen Schwankungen und höheren Zinsen meist auf. Das Ziel war klar: der Bausparvertrag sollte später eine garantiert günstige Finanzierung der eigenen vier Wände möglich machen. Einige Jahre lang wurde angespart, mussten magere Guthabenzinsen in Kauf genommen werden, um dann zum Zuteilungstermin ein preiswertes Darlehen für die eigentliche Baufinanzierung abrufen zu können.

"Tatsächlich konnte man über Jahrzehnte hinweg einen Bausparvertrag in die Finanzierung einbauen ohne lang zu prüfen, ob sich das auch wirklich lohnt", bestätigt Gottschalk. Diese Zeiten sind vorbei. Das historische Dauerzinstief macht der Spekulation vieler Bausparer mit steigenden Zinsen einen Strich durch die Rechnung. Es lohne sich immer weniger, das vorfinanzierte Darlehen auch abzurufen, erläutert Jörg Sahr, Baufinanzierungsexperte von "Finanztest". Denn es komme in der Regel spürbar teurer zu stehen als jeder Baukredit zu aktuellen Traumzinsen.

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