Sonntag, 20. Januar 2019

Hamburg Mannheimer Bittere Post von Herrn Kaiser

Die Assekuranz setzt im neuen Jahr auf die private Rente. Doch dieses beginnt mit einer Hiobsbotschaft. Die Hamburg Mannheimer streicht in 2005 die Überschüsse für laufende Renten drastisch zusammen. Kritiker warnen vor Risiken der privaten Rentenversicherung und halten sie mitunter "für ein unglaublich riskantes Produkt".

Hamburg - Tausende Senioren, die bei der Hamburg Mannheimer (HM) eine private Rentenversicherung abgeschlossen haben und bereits Rente beziehen, brauchen in den nächsten Tagen und Monaten starke Nerven. Denn die zu erwartende Post von "Herrn Kaiser" verheißt nichts Gutes. Der zweitgrößte Lebensversicherer Deutschlands streicht in diesem Jahr die Überschussrente drastisch zusammen. Die Einbußen werden nach Angaben des Versicherers "im Schwerpunkt" bei 50 Prozent liegen. Die Überschussrente zahlt ein Versicherer über die lebenslang garantierte Rente hinaus.

Was bleibt übrig? Altersvorsorge über eine private Rente ist eine Möglichkeit. Doch die Zeit hoher Überschüsse ist vorbei.
Bei der Hamburg Mannheimer weiß man um die Wirkung solcher Nachrichten und ist um Verständnis bemüht. In einem weitgehend standardisierten Brief an die Kunden, der manager-magazin.de vorliegt, begründet der Versicherer die drastischen Einschnitte vor allem mit der schwachen Entwicklung der Kapitalmärkte in den vergangenen Jahren.

So fielen die Zinserträge, welche die Hamburg Mannheimer zwischen 1999 und 2003 erwirtschaften konnte, von 8,3 Prozent auf 5,0 Prozent zurück. "Selbstverständlich wird Ihre Überschussrente bei wieder steigenden Zinserträgen dieser Entwicklung folgen", heißt es besänftigend in dem Brief.

Nicht zuletzt wegen der zunehmenden Langlebigkeit der Menschen sind solche Versprechen allerdings mit Vorsicht zu genießen. Zudem monieren Experten die aus ihrer Sicht mangelnde Transparenz der privaten Rentenversicherung - ein Vorsorgeprodukt, das sich gleichwohl sehr gut verkauft und auf das die Branche zur Kompensation der ab 2005 nicht mehr steuerbefreiten Lebensversicherung große Hoffnungen setzt.

Hälfte der laufenden Renten von Kürzungen betroffen

Rund 960.000 Rentenversicherungsverträge zählt die Hamburg Mannheimer, 44.000 davon mit laufendem Rentenbezug. Etwa 22.000 Policen mit laufendem Bezug - also rund die Hälfte - dürften von den Kürzungen betroffen sein, sagt ein Experte der Versicherung. Im Gespräch mit manager-magazin.de legt der Sprecher Wert auf die Feststellung, dass das Ausmaß der Kürzungen von der Rentenart, dem Alter des Versicherten und dem jeweiligen Garantiezins abhängig ist.

Die dynamische (progressive) Rente etwa, die "eigentlich typische Rente", steigt vom Grundsatz her Jahr für Jahr an. Kürzt ein Versicherer die Überschussbeteiligung, falle die Steigerung lediglich geringer aus. Insofern könne man hier nicht von einer Kürzung sprechen. Kritiker sehen das zwar anders, diese Renten seien von der Briefaktion laut Hamburg Mannheimer aber nicht betroffen. "Das Porto dafür können wir besser verwenden", meint der Sprecher.

Darüber hinaus hat die Hamburg Mannheimer degressive und konstante Renten sowie so genannte Kombi-Fünf-Renten in ihrem Bestand. Bei der letzten Variante bleibe die Rente in den ersten fünf Jahren konstant und steigt dann erst an.

© manager magazin 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung