Sonntag, 20. Januar 2019

Schrottimmobilien Geprellte Anleger hoffen noch

Betrogene Immobilienkäufer haben einen Dämpfer erlitten. Der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) sieht Banken bei "Haustürgeschäften" nicht in der Haftung. Wie der EuGH entscheidet, ist offen. Verbraucherschützer sehen die Schlacht noch nicht entschieden. Der Schaden geht in die Milliarden.

Hamburg - Immobilienkäufer, die Betrugsopfer von dubiosen Finanzvermittlern geworden sind und in der Vergangenheit teure aber renditeschwache Objekte mit einem Kredit finanzierten, haben einen empfindlichen Dämpfer erlitten. Denn nach Meinung des Generalanwalts beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg können diese Verbraucher einen Immobilienkaufvertrag nicht als "Haustürgeschäft" widerrufen, da die EU-Richtlinie nicht bei Immobilienkäufen gelte. Dies sei auch dann der Fall, wenn der Kaufvertrag und der Kreditvertrag zu einem einheitlichen Finanzgeschäft gehörten, wie Generalanwalt Philippe Léger jetzt ausführte.

Europäischer Gerichtshof in Luxemburg. Das Gericht wird voraussichtlich Anfang 2005 über die Rechtmäßigkeit von Immobilienkäufen im Zusammenhang mit so genannten Haustürgeschäften entscheiden
Banken, die während des Immobilienbooms Anfang der 90er Jahre in Massen den Kauf solcher Immobilien über Vermittler finanziert hatten, dürften das Gutachten Légers mit Erleichterung zur Kenntnis genommen haben. Denn in der Regel folgt der Gerichtshof den Empfehlungen des Generalanwaltes. Ginge das Urteil, das nicht vor Anfang 2005 erwartet wird, dagegen für die Verbraucher aus, könnte das die Banken Milliarden kosten, sagen Kenner.

Der Bundesverband Verbraucherzentrale (VZBV) schätzt, dass rund 300.000 Anleger in Deutschland von so genannten "Schrottimmobilien" betroffen sind. Bis zu zehn Milliarden Euro hätten sie in Wohnungen und Gebäude investiert, deren Kaufpreis mitunter das Doppelte ihres eigentlichen Wertes entsprach, wie VZBV-Experte Manfred Westphal im Gespräch mit manager-magazin.de erklärt.

Vermeintlich sicheres "Betongeld"

Vor allem Gering- und Mittelverdiener hätten Anfang der 90er Jahre oft in einer Art "Haustürgeschäft" Immobilien erworben. Das heißt, in der Regel wurden sie von einem Vermittler zu Hause überrascht. Dieser machte ihnen eine Immobilie als Steuersparmodell und Top-Renditeobjekt schmackhaft, das zumeist vollständig durch einen Kredit finanziert werden sollte. Sie versprachen oder unterlegten mit windigen Rechenbeispielen, dass künftige Mieteinnahmen die Belastungen aus Zins und Tilgungen des zugleich von ihnen vermittelten Kreditvertrages einer Bank abdecken würden.

Inwieweit Kreditinstitute im Einzelfall mit Strukturvertrieben hier unter einer Decke steckten, von unseriösen Geschäftspraktiken wussten oder sie gar billigend in Kauf nahmen, ist nicht gesichert.

Im Nachhinein stellten sich die meisten der teuer erworbenen Objekte aber als kaum vermietbar heraus, oder die tatsächlichen Mieteinnahmen lagen deutlich niedriger als der Vermittler zuvor versprochen hatte. Viele gutgläubige Verbraucher blieben deshalb auf einem riesigen Schuldenberg und ihrer Immobilie sitzen, die sie am liebsten der Bank zurückgeben würden.

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