Sonntag, 20. Januar 2019

Schiffsfonds Das Ende der Zahnarztdampfer

Die Containerschifffahrt boomt weltweit. Ganz gegen den Trend profitiert auch Deutschland von dieser Spielart der Globalisierung. Der Grund sind nicht zuletzt massive steuerliche Vergünstigungen hier zu Lande. Ende 2006 ist zumindest mit den Auswüchsen bei Verlustzuweisungen Schluss. Aus dem Steuer- wird ein Renditeobjekt.

Hamburg - Die Zahlen sind beeindruckend. Allein in den vergangenen vier Jahren konnte der Hamburger Hafen die Zahl der umgeschlagenen Container auf über 6,1 Millionen Stück nahezu verdoppeln. Die Masse der in der Elbmetropole geladenen oder gelöschten Waren überstieg 2003 erstmals die Schallmauer von 100 Millionen Tonnen.

 Die "Hamburg Express" am Terminal Altenwerder: In Hamburg werden jährlich über sechs Millionen Container umgeschlagen
Hapag-Lloyd AG
Die "Hamburg Express" am Terminal Altenwerder: In Hamburg werden jährlich über sechs Millionen Container umgeschlagen
Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) verschaffte diese Entwicklung der Hansestadt eine kleine Sonderkonjunktur. Die aktuelle Kaufkraft der Hamburger liegt 12 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Hamburg kann nach einer Ende der 90er Jahre schon verloren geglaubten Schlacht nun wieder hoffen, Rotterdam als Europas Containerhafen Nummer eins abzulösen. Das liegt aber nicht nur daran, dass die bis zu 300 Meter langen Ozeanriesen als "Kulis der Globalisierung" (DER SPIEGEL) vor allem Chinas schier unendlichen Warenhunger stillen helfen - denn davon profitieren ja auch die Holländer - sondern vor allem am steuerlichen Umfeld in Deutschland.

Auslaufmodell "Doppel-Whopper"

So gilt seit 1999 bei Anlagen in Schiffsfonds für Investoren ein in der Branche auch "Doppel-Whopper" genanntes Modell. Diese Konstruktion erlaubt es, zunächst Anfangsverluste steuermindernd geltend zu machen und später auf die äußerst niedrige Tonnagesteuer (Paragraf 5a Einkommensteuergesetz) zu wechseln. Bei dieser Wertermittlung werden die anfallenden Erträge nahezu steuerfrei gestellt.

Nicht zuletzt auf Grund dieser Vergünstigungen ist Deutschland mittlerweile international führend bei der Finanzierung und dem Bereedern von großen Containerschiffen. Mit über 900 Riesenfrachtern - davon rund 750 unter fremder Flagge - sind die meisten von ihnen in deutschem Besitz, Japan (220) und Griechenland (195) folgen auf den Plätzen. Die Wachstumsraten liegen dabei im zweistelligen Bereich, so dass Deutschland demnächst gemessen an der Gesamtkapazität sogar die traditionelle Schifffahrtsnation Norwegen von Platz drei der weltweiten Handelsflotten verdrängen dürfte.

Die vor allem von Freiberuflern wie Zahnärzten und Anwälten genutzte Doppelmöglichkeit der Steuerminimierung hat aber bald ein Ende. Ab 2007 müssen sich Schiffsfinanzierer für zehn Jahre entweder auf die Verlustzuweisung oder die Tonnagesteuer festlegen.

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