mm: Herr Bienert, immer öfter taucht im Zusammenhang mit Immobilieninvestments das Schlagwort "Greenbuilding" auf. Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten wie vor allem Energieeffizienz bei Immobilienprojekten steigere die Rendite, so die verkürzte Botschaft. Ist das nur eine neue Erfindung cleverer PR-Leute, oder ist da was dran?
Bienert: Nein, das ist definitiv so. Studien belegen das. Wir sind zum Beispiel Initiator eines EU-Forschungsprojektes, das im Internet unter www.immovalue.org zu finden ist. Zudem liegen inzwischen Zahlen und Untersuchungen aus den USA und auch weitere Arbeiten aus Europa vor, die ebenfalls zeigen, das nachhaltige Gebäude die Wirtschaftlichkeit einer Immobilie positiv beeinflussen.
mm: Und das ist verlässlich?
Bienert: Ja, es wurden zum Beispiel Gebäude, die mit einem Nachhaltigkeitszertifikat versehen sind, "nicht-grünen" Vergleichsobjekten gegenübergestellt. Dabei wurden Mieteinnahmen, Auslastungen, Leerstandszeiten und andere wichtige Parameter verglichen. Das Ergebnis spricht eindeutig für die bessere Wirtschaftlichkeit nachhaltiger Gebäude. Positiv ist insbesondere, dass nunmehr auch unabhängige Untersuchungen diesen Zusammenhang belegen. Die ersten Forschungsarbeiten wurden hingegen zum Teil von den Initiatoren der "grünen" Zertifizierungssysteme publiziert. Dies führte dazu, dass die Belastbarkeit dieser Ergebnisse in Frage gestellt wurden.
mm: Dennoch, wie kommt es zu dem Rendite-steigernden Effekt?
Bienert: Die großen Unternehmen, sei es eine SAP, sei es Siemens oder irgendein anderer Konzern, die haben alle längst eine Nachhaltigkeitsagenda, die bis in den Corporate-Real-Estate-Bereich reicht. Da ist es schon fast eine conditio sine qua non, beim Immobilienmanagement auf Nachhaltigkeitszertifikate zu achten und solche Gebäude zu bevorzugen. Bessere Vermietungsergebnisse bedeuten im Ergebnis eine höhere Sicherheit der zu erwarteten Einnahmen und letztlich eine bessere Rendite.
Bienert: Wir haben festgestellt, dass Objekte, die eine geringere Energiekostenbelastung haben, eine höhere Miete generieren. Und davon kann ja bei grünen Gebäuden ausgegangen werden. Es gibt zwar keinen Automatismus, der dazu führt. Der Zusammenhang ist aber messbar. Mieter achten heutzutage verstärkt auf ihre Gesamtbelastung und sind bei geringeren Heiz- oder sonstigen Betriebskosten eher bereit eine höhere Nettokaltmiete an den Eigentümer zu zahlen. Auch andere Studien zeigen, dass die Zahlungsbereitschaft für grüne Immobilien bei Endkunden höher ist. Eine aktuelle Untersuchung von Roland Berger etwa hat ergeben, dass 73 Prozent der Befragten bei nachhaltigen Gebäuden im Durchschnitt bis zu 8,9 Prozent mehr investieren würden. Dasselbe gilt für Mietzahlungen.
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