Von Lutz Reiche
Lebensversicherer bieten damit im Grunde Bankprodukte an, was ihr Geschäft allerdings deutlich schwankungsanfälliger macht. Denn sollten die Kapitalmarktzinsen steigen und die Kunden anderen Produkten eine ähnlich hohe Attraktivität wie Versicherungspolicen zugestehen, werden sie ihr Geld schnell wieder abziehen. Oftmals seien die Verträge so ausgelegt, dass sie dabei noch nicht einmal Stornogebühren bezahlen müssten, sagt Zielke.
Volatilität und Liquiditätsrisiko steigen
Fitch bewertet das Prämienwachstum der Lebensversicherer über derlei Kapitalisierungsprodukte daher auch als nicht nachhaltig. Durch seinen großen Anteil am Neugeschäft berge es die Gefahr erheblicher Schwankungen in den Kapitalanlagevolumnia. Im zeitlichen Zusammenspiel mit anderen Faktoren, etwa steigenden Stornoquoten und hohen Ablaufleistungen des regulären Bestandes erhöhe sich für den Versicherer zugleich das Liquiditätsrisiko. Das Ablauf- und Liquiditätsmanagement eines Lebensversicherers werde daher in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen, ist Fitch überzeugt.
Laut Fitch haben sich die Bewertungsreserven der Lebensversicherer im vergangenen Jahr auf rund 18 Milliarden Euro oder 2,5 Prozent (2008: 1,5 Prozent) der Kapitalanlagen erholt. Zum einen ist dies den steigenden Kapitalmärkten geschuldet. Bewertungsgewinne bei noch gehaltenen Aktien und sich verringernde Spreads für festverzinsliche Wertpapiere glichen die im Jahr 2008 unterlassen Abschreibungen zu einem erheblichen Teil wieder aus, schreibt Fitch. Zum andern führte der Rückgang der langfristigen Zinsen zu "großen Bewertungsgewinnen bei festverzinslichen Wertpapieren" und damit steigenden Reserven.
Ein anhaltend niedriges Zinsumfeld bleibt jedoch das Damoklesschwert für die Branche. Zwar könnten die Lebensversicherer ein Niedrigzinsszenario nach japanischem Muster "über längere Zeit" durchstehen, also die zugesagten Garantien von durchschnittlich 3,4 Prozent auf den Sparbeitrag einhalten, ist Fitch überzeugt. Bei den Überschusszahlungen dürften die Kunden dann aber nicht mehr viel erwarten. "Sollten die Zinsen länger auf dem jetzigen Niveau bleiben, ist für die Zukunft von einer deutlicheren Senkung der Überschussbeteiligungen auszugehen", sagt Ockenga voraus. Für das laufende Jahr zahlt die Branche ihren Kunden im Schnitt noch eine Verzinsung von 4,2 Prozent.
Ernsthafte Probleme unter den Anbietern hinsichtlich ihrer Kapitalausstattung und Solvabiltät erwarten die Experten von Fitch derzeit nicht. Trotz der Erholungstendenz im vergangen Jahr beurteilen die Analysten die Branche ausblickend gleichwohl "negativ". Den hohen Stellenwert des Geschäfts gegen zumeist sechsstellige Einmalbeiträge halten sie für problematisch und das niedrige Zinsumfeld als ernste Herausforderung für die Branche. "Den Versicherern bleibt keine Atempause", warnt Analyst Ockenga.
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