Donnerstag, 9. Februar 2012, 17:40 Uhr

manager magazin



Versicherungenmanager magazin RSS  - Versicherungen - Versicherungen

Alle Artikel und Hintergründe

10.03.2010
 

Lebensversicherer

Gefährliche Blasen mit frischem Geld

Von Lutz Reiche

Solvente Kunden haben die Lebensversicherer 2009 mit vielen hohen Einmalbeiträgen gestützt. Doch die Risiken dieser bankähnlichen Geschäfte sind groß, warnen Experten. Zudem gehen sie zu Lasten aller Versicherten: Diese müssen nun mit einer fallenden Verzinsung rechnen.

Hamburg - Die deutschen Lebensversicherer haben im vergangenen Jahr wieder mehr Geld an den Kapitalmärkten verdient und die Bewertungsreserven in ihren Bilanzen deutlich steigern können. Nach Informationen der Ratingagentur Fitch sind auch die gebuchten Beiträge angestiegen. Dennoch geben die Experten keine Entwarnung und behalten ihren negativen Ausblick für die Branche bei. Sie sorgen sich um die Qualität und Nachhaltigkeit des Neugeschäfts und sehen das niedrige Zinsumfeld als eine Bedrohung für die Branche.

Neugeschäft der Lebensversicherer: Abhängig von hohen Einmalbeiträgen solventer Kunden, die ihr Geld aber jederzeit wieder abziehen können.
Zur Großansicht
AP

Neugeschäft der Lebensversicherer: Abhängig von hohen Einmalbeiträgen solventer Kunden, die ihr Geld aber jederzeit wieder abziehen können.

Die Kapitalanlagen der Lebensversicherer haben sich im vergangenen Jahr netto mit 4 Prozent verzinst (2008: 3,4 Prozent), schätzt Fitch. Neben der allgemeinen Erholung an den Kapitalmärkten habe dazu vor allem ein hoher Koupon bei den festverzinslichen Anlagen von durchschnittlich 4,5 Prozent beigetragen. Dabei hätten die Anbieter angesichts des niedrigen Zinsumfeldes in ihrem Kapitalanlagebestand erheblich umgeschichtet.

Um die Renditen ihrer Kunden aufzufrischen investierten die Lebensversicherer mehr Geld in höher verzinste Staats- und Unternehmensanleihen. Fitch geht davon aus, dass die Branche im vergangenen Jahr ihre Investitionen in Unternehmensanleihen (ohne Finanzinstitute) und Staatsanleihen (ohne Deutschland) mehr als verdoppelt hat. So habe sich im Schnitt der Anteil der Unternehmensanleihen auf rund 4,7 Prozent (2008: 1,8 Prozent) erhöht. Einzelne Gesellschaften hätten diesen Anteil sogar in einen zweistelligen Prozentbereich ausgeweitet, schreiben die Versicherungsexperten in ihrem jüngsten Report.

Das Neugeschäft der Branche war im vergangenen Jahr maßgeblich von hohen Einmalbeiträgen geprägt, analysiert Fitch. Nach jüngsten Hochrechnungen dürften die Einmalbeiträge gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte auf bis zu 20 Milliarden Euro angestiegen sein. Das Neugeschäft gegen laufenden Beitrag dagegen, also der herkömmliche Sparvertrag, fiel dagegen um mehr als 17 Prozent und spülte gerade noch knapp sechs Milliarden Euro in die Kassen der Lebensversicherer. Im Ergebnis habe die Branche ihre gebuchten Bruttobeiträge um 6,5 Prozent steigern können, schätzt Tim Ockenga, Senior Director bei Fitch Ratings.

Zwar ist auch in anderen europäischen Ländern das Einmalbeitragsgeschäft gewachsen. Fitch interpretiert das Ausmaß allerdings als strukturelle Schwäche des Neugeschäfts. Denn der hohe Neuzugang gegen Einmalbetrag sei "zum Großteil auf eher kurzfristige Kapitalisierungsgeschäfte zurückzuführen".

Mit anderen Worten: Die Versicherer locken die Kunden mit Kontrakten, die vergleichsweise hohe Zinsen bei kurzen Laufzeiten bieten und oft nur geringe bis gar keine versicherungstechnischen Risiken enthalten. Da die Rendite dieser Verträge zumeist höher liegt als die Lebensversicherer sie selbst am Kapitalmarkt kurzfristig erzielen können, belastet dieses Geschäft vor allem die Altkunden. "Damit plündern die Unternehmen das eigene Versichertenkollektiv", zeigt sich Analyst Carsten Zielke von der Société Générale über diese Praxis verärgert.

Diesen Artikel...

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© manager magazin Online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service manager magazin mobilmm mobil Twitter-FeedsTwitter-Feeds
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z SPIEGEL-Gruppe - Nachdruckrechte und LizenzenNachdrucke WährungsrechnerWährungsrechner
Ihr persönliches DepotDepot Newsletter-Abo: managerupdateNewsletter-Abo Werbung buchenWerbung buchen
E-MailE-Mail RSSRSS-Newsfeed Info: Wir über unsWir über uns
KurseKurse Der Shop von manager magazin und Harvard Business ManagerShop manager-magazin.de als Startseite einrichtenmm.de als Startseite
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Nach oben