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25.02.2010
 

US-Gewerbeimmobilien

Löst Manhattan eine neue Finanzkrise aus?

Von Christoph Rottwilm

Experten im US-Kongress schlagen Alarm: Durch den Einbruch am Gewerbeimmobilienmarkt drohen Kreditausfälle in Milliardenhöhe. Tausende US-Banken könnten das Problem auf die gesamte amerikanische Wirtschaft übertragen. Betroffen sind aber auch Institute hierzulande - von der Deutschen Bank über die Commerzbank bis zur Postbank.

Hamburg - Brave Frisur, unauffällige Brille, schlichter, blauer Blazer - die Dame vor der Bücherwand sieht so harmlos aus. Aber was sie zu sagen hat, ist alles andere als harmlos. Es geht um eine gigantische Finanzierungsblase mit einem Volumen von Hunderten Milliarden Dollar, die am US-Gewerbeimmobilienmarkt zu platzen droht. Es geht auch um Tausende vor allem kleine und mittlere US-Banken, deren Existenz dadurch ins Wanken geraten könnte. Und es geht um Millionen Amerikaner, deren Jobs davon letztlich gefährdet sind. Außerdem geht es um neue, erhebliche Risiken auch für deutsche Banken - was allerdings nicht explizit angesprochen wird.

Schöner Schein: Die Lage an den Gewerbeimmobilienmärkten in den USA ist alles andere als sonnig
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AP

Schöner Schein: Die Lage an den Gewerbeimmobilienmärkten in den USA ist alles andere als sonnig

Die Dame mit der unauffälligen Brille heißt Elizabeth Warren und ist im Hauptberuf Professorin an der angesehen US-Universität Harvard. In dem Video-Podcast, der sie seit einigen Tagen vor der gediegenen Bücherwand zeigt, tritt sie jedoch als Vorsitzende des Congressional Oversight Panels (COP) auf, eines im Rahmen der Finanzkrise eingerichteten fünfköpfigen Beratergremiums für den US-Kongress. Und als solche schickt sie eine deutliche Warnung um die Welt.

Laut Warren drohen US-Banken in den kommenden Jahren Ausfälle gewerblicher Immobiliendarlehen in Höhe von 200 bis 300 Milliarden Dollar. Insgesamt, so eine Analyse des COP, stehen in den Vereinigten Staaten von 2010 bis 2014 solche Kredite mit einem Volumen von etwa 1,4 Billionen Dollar zur Anschlussfinanzierung an. Beinahe die Hälfte dieser Darlehen steht nach Angaben des COP bereits jetzt "unter Wasser", sprich, die Kreditsumme übersteigt den gegenwärtigen Wert der Immobilie.

Betroffen sind fast 3000 US-Banken, die, so Warren, nach Einschätzung des COP eine "riskante Konzentration im Bereich der gewerblichen Immobilienfinanzierung" aufweisen. Das seien fast 40 Prozent aller Banken in den USA. Die ohnehin schon geschwächten, vornehmlich kleinen und mittelgroßen Institute, so die "tiefe Sorge" des COP, werden durch die Entwicklung am Gewerbeimmobilienmarkt in ihrer Stabilität bedroht.

Das Problem: Nach dem großen Geschäft, das die Institute noch bis vor wenigen Jahren machen konnten, trifft sie nun der Einbruch, den der Markt für Gewerbeimmobilien seit Beginn der Wirtschaftskrise erlebt, mit voller Wucht. Vor allem in den Jahren 2006 und 2007 waren die Preise für Büro- und andere gewerblich genutzte Gebäude noch extrem angestiegen. Investoren verfügten angesichts eines sehr niedrigen Zinsniveaus über massenhaft Liquidität und suchten dafür nach Anlagemöglichkeiten. An Hot Spots wie vor allem dem New Yorker Stadtteil Manhattan kauften sie zum Teil zu Preisen, die kaum noch vernünftig waren.

Inzwischen hat die Wirtschaftskrise diesem Treiben jedoch längst ein Ende gesetzt. Der Boom ist vorbei, zunehmende Leerstände und sinkende Mieten haben die Immobilienpreise fallen lassen. Laut COP sind die Preise im gewerblichen Sektor in den USA seit Anfang 2007 um 40 Prozent abgerutscht. Dahinter setzt Markus Derkum allerdings ein Fragezeichen. "Eine Marktkorrektur ist überfällig", sagt zwar der Geschäftsführer des führenden deutschen US-Immobilienfonds-Emissionshauses Jamestown. "Seit Ausbruch der Krise gibt es aber kaum Transaktionen, sodass man noch nicht von einer breiten Niveauverschiebung sprechen kann."

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